Hinter den Kulissen : Nußbaum erzählt Märchen

Finanzsenator Nußbaum war am Freitagmorgen als Märchenonkel im Einsatz – bei den Märchentagen. Er war aber nicht der einzige prominente Vorleser an diesem Tag.

Daniela Martens
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Lauschig. Finanzsenator Ulrich Nußbaum las afrikanische Märchen vor. Foto: EventpressEventpress Hoensch

Zum Schluss ist die Hyäne völlig verunstaltet: Dem Tier namens Nyangau fehlt ein Streifen Haut vom Kopf bis zum Schwanz, und seine langen borstigen Haare stehen vom Körper ab. „Nyangau jedoch fand erst nach vielen Wochen den Mut, sich wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen“, liest Finanzsenator Ulrich Nußbaum mit seiner dunklen volltönenden Stimme, in der ein Lachen mitschwingt. Bevor der das Buch zuklappt, sagt er: „Das kann man ja auch gut verstehen.“

Nußbaum ist am Freitagmorgen als Märchenonkel im Einsatz – bei den Märchentagen. Er sitzt nach vorne gelehnt in einem Sessel im Max-Liebermann-Haus, ihm zu Füßen etwa 50 kleine Zuhörer. Eben haben sie noch andächtig gelauscht, als er die Geschichte „Löwe, Hase und Hyäne“ vorgelesen hat, aus dem Buch „Meine afrikanischen Lieblingsmärchen“ von Nelson Mandela.

Jetzt recken die Grundschüler aus Mitte und Kreuzberg wild ihre Arme in die Höhe und beginnen, durcheinander zu reden. Sie haben so viele Fragen: Was macht eigentlich ein Finanzsenator? „Aufpassen, dass die anderen Senatoren nicht zu viel Geld ausgeben und dass sie es für die richtigen Dinge verwenden – für Kindergärten und Schulen.“ Was für ein Instrument er spielen kann, wollen die Sechs- bis Neunjährigen wissen. Welches sein Lieblingstier ist? Ob er einen Teddy habe und ein Kissen? Wie lange er schon verheiratet sei? Und wie viel Geld er genau verdiene. Nußbaum antwortet so geduldig, als würde er jeden Tag so vielen kleinen Inquisitoren Rede und Antwort stehen: Er habe mal Blockflöte gelernt, möge Hunde, seine Tochter habe ihm zum 50. Geburtstag einen Riesenteddybär geschenkt und das mit dem Geld sei eine gute Frage: „Das weiß ich nicht so ganz genau. Ich glaub, das sind 10 000 Euro im Monat“. Die Kinder rufen wie aus einem Mund: „Ooooooah.“ Ein Junge fügt hinzu: „Dann sind sie ja Millionär.“ Jetzt sind die Schüler so beeindruckt, dass alle unbedingt ein Autogramm wollen. Sie drängen sich so dicht um den Sessel, das der Senator fast nicht mehr zu sehen ist.

Nussbaum ist aber nicht der einzige prominente Vorleser an diesem Tag: Auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sitzt am Freitagmorgen vor einer Horde Schulkindern – in der 6c der Grundschule Moabit. Denn es ist auch der bundesweite Vorlesetag. Körting hat allerdings keinen Sessel bekommen, sondern den Stuhl der Lehrerin. Neben ihm sitzt die Abgeordnete Bilkay Öney, die im Mai von den Grünen zur SPD wechselte – auf einem Schülerstuhl. Sie nennt Körting immer wieder „Papa“: Denn die beiden lesen mit verteilten Rollen aus dem Buch „Papa, was ist ein Fremder? Gespräch mit meiner Tochter“ des französischen Autors Tahar Ben Jelloun. Und Körting „erklärt“ dabei der ehemaligen integrationspolitischen Sprecherin der Grünen, warum manche Menschen andere diskriminieren und wie man das ändert: „Nimm zum Beispiel unsere Nachbarn. Sie haben uns lange misstraut, bis wir sie eines Abends zum Couscous-Essen eingeladen haben“. Als Körting den letzten Satz vorliest, legt er seiner „Tochter“ liebevoll eine Hand auf den Arm. Das gute Verhältnis scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen: „Ich mag den Innensenator total gern, weil ich mich persönlich mit ihm über Themen wie Diskriminierung und Rassismus unterhalten kann“, sagt Öney zu den Schülern. Daniela Martens

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