Berlin : Hinter den Kulissen: Wowereit muss schuften

Brigitte Grunert

Zum Thema Online Spezial: Machtwechsel in Berlin Wenn das so weitergeht mit dem Gerangel um den Wahltermin, wird Klaus Wowereit noch vom Regierenden des "Sommersenats" zum "Winterkönig". Den gab es auch schon mal, am Anfang des Dreißigjährigen Krieges. Schuften, schuften, schuften - Herr Wowereit muss es noch mehr als Herr Diepgen. Und noch mehr unter die Leute gehen, Popularitätswerte steigern, Gregor Gysi (PDS) möglichst überholen und aufpassen, dass ihm Frank Steffel (CDU) nicht auf die Pelle rückt. Also, Wowereit ist nun Madonna-Fan. Was hat ihm Dienstagabend im Konzert der Pop-Lady besser gefallen? Die Musik oder die "Hallo!"-Rufe junger Leute? Anderntags ließ sich auch Genosse Bürgermeister, Schul- und Jugendsenator Klaus Böger von Madonna und der Atmosphäre begeistern. "Madonna hat aufgedreht, Klaus Böger hat abgeschaltet", erzählte er. Das Abschalten bezog sich aber nur auf die GEW, die ihn immer nervös macht. Böger hatte gerade eine GEW-Versammlung hinter sich, die ihm allerlei Wünsche für mehr Lehrer-Komfort mitgegeben hatte.

Inzwischen hat Eberhard Diepgen in der CDU-Zentrale in der Wallstraße (Mitte) sein 25 Quadratmeter großes Quartier bezogen. Bisher brauchte er dort kein eigenes Büro, aber als Nur-Parteichef ist er darauf angewiesen. Dienstagvormittag zog er ein. Ob er daran dachte, dass der andere gerade die Senatssitzung leitete? Persönliche Habe räumte er ein: die vom langen Regieren etwas ramponierte schwarze Aktentasche, Fotos von Frau und Kindern für den Schreibtisch, Großfotos von Berlin für die Wände - Feuerwerk am Brandenburger Tor, Siegessäule, Reichstag und so weiter. Bücher natürlich wie "Die Entstehung der Berliner Verfassung", zwei dicke Bände. Die geht ja bis auf die Zeit vor der Teilung der Stadt 1948 zurück. Diepgen war "sehr gerührt" über den Empfang der CDU-Mitarbeiter mit bunten Sommerblumen. "Er war sehr umgänglich", erzählt sein CDU-Landesgeschäftsführer, Parteisprecher und Fraktionskollege Matthias Wambach. Früher war er eher kurz angebunden in der Eile. Als alles hübsch ordentlich eingeräumt war, ging Diepgen wieder. Erst mal ausspannen mit Ehefrau Monika - außerhalb Berlins.

An diesem Abend gab Senatssprecher Helmut Lölhöffel seinem Vorgänger Michael-Andreas Butz ein Abschiedsessen, mit Damen. Sie duzen sich seit Bonner Tagen; seit Januar war der "rote Helmut" Butz-Stellvertreter. Nun schenkte er dem "schwarzen Michael" zur Erinnerung einen frotzelnden Briefwechsel aus diesen Monaten ("Lieber Michael" - "Lieber Helmut"). Das Restaurant hat Lölhöffel mit Bedacht nach dem Namen ausgesucht. "Schwarzer Kater" und "Roter Sand" war ihm zu plump. "Grüne Ente" fand er passend. Sprecher müssen nämlich ewig Presse-"Enten" dementieren.

Da nun im Parlament nichts als dicke Luft zwischen dem rechten und linken Lager ist, kann unmöglich Festlaune aufkommen. So fällt dieses Jahr der "Tag der offenen Tür" aus. Besser so, bloß keine Schlägerei vor allen Gästen. Gemeinsam mit dem Bundesrat wollte man am 7. Juli Bürger empfangen, und die Sportjugend sollte sich darstellen. Doch Parlamentspräsident Reinhard Führer (CDU) sagte das Politik- und Unterhaltungsfest entnervt ab. Der Präsident erklärte verwaltungssteif: "Nach der Änderung der politischen Situation in Berlin haben sich die Fraktionen des Abgeordnetenhauses nicht auf ein einheitliches Verfahren bei der Durchführung der Veranstaltung einigen können... Ich bedaure diese Entwicklung außerordentlich."

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