Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Lisa Paus steht im Regen, Carl Wechselberg spottet, Karl-Heinz Hage zieht weg, Christian Gaebler und Claudia Hämmerling arbeiten gegen Jamaika

Im Hauptausschuss laufen nun, da der Landesetat beraten wird, Sitzungen wieder tage- und nächtelang. Weil die Beraterei so wichtig ist, verbrachte die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus am Mittwoch sogar ihren Geburtstag in trauter Runde mit den Kollegen Finanzexperten. Beim Tagesordnungspunkt „Straßenregenentwässerung“ half ihr das aber nicht. Die Grünen-Politikerin haderte damit, dass sich der Senat die Straßenregenentwässerung nur noch 10,5 Millionen Euro kosten lassen will und nicht mehr wie geplant 12 Millionen Euro. Pauls weiß, wovon sie spricht. Wie auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedbert Pflüger wohnt sie in einem Teil von Wilmersdorf, der bei starkem Regen schnell unter Wasser steht – gemeint ist die Umgebung der Güntzelstraße. Laut Paus schwimmen dort schon mal Kanaldeckel weg und der Prager Platz wird rasch zum Prager See. Paus argumentierte: In Anbetracht der Klimakatastrophe mit ihren zunehmenden Starkregenkatastrophen sei es falsch, an der Entwässerung zu sparen. Aber nicht mit Carl Wechselberg, dem granitharten Linkspartei-Finanzfachmann. Er spottete, die Grünen-Politikerin erwarte jetzt wohl doch noch den Untergang von West-Berlin. Getreu dem Motto: Was die Wende nicht bewirkt hat, das schafft der rot-rote Senat nun im Verbund mit dem Weltklima. Am Ende blieb es dann bei den gekürzten 10,5 Millionen für die Entwässerung.

Wäre der Regierende Bürgermeister nicht so sehr mit seinen Memoiren beschäftigt – er müsste sich Sorgen machen. Seine Senatskanzlei verliert einen Mann, der seit Jahrzehnten mit Geschick, Diskretion und preußisch-angenehmer Kühle vorangetrieben hat, was Berlin sich an Reformen vorgenommen hatte. Karl-Heinz Hage, der unendlich viel Zeit mit Projekten wie der Länderfusion verbracht hat, geht als Direktor der Bremischen Bürgerschaft in den fernen Westen. Was für die Berliner Politik bedeutet, dass größere Projekte wohl auf sich warten lassen könnten.

In der CDU hatten sie sich gerade darüber geärgert, dass Wowereit in den Reihen der Grünen charmierte, während Pflüger im Plenum zum Haushalt redete. Die SPD kontert die CDU-Kritik nur, indem sie das Spielchen weitertreibt. Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler, so wird nun seitens der SPD kommuniziert, sei gemeinsam mit der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling zu einem Termin gefahren – mit der U-Bahn. Dann gemeinsam mit ihr im Fernsehen aufgetreten. Und mit ihr auch wieder in der U-Bahn zurückgefahren. Manche Grünen wollen wohl nicht nach Jamaika. wvb.

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