Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Ein vierbeiniger Wowereit auf Sylt, ein chinesischer Reiswurf in Reinickendorf und eine Grüne mit eindeutigen Ambitionen

FDP-Fraktionschef Martin Lindner hat sich wieder getraut: Am Montag heiratete er seine Lebensgefährtin Caroline Gräfin Kerssenbrock in Westerland auf Sylt. Nach der Trauung legte sie ihren Adelstitel ab, ihren Mädchennamen wieder an und heißt jetzt Lindner-Endres. Für beide ist es die zweite Ehe. Als sich das Paar zum Hochzeitsfoto an den Strand stellte, raunte ein Mann Lindner zu, er möge auf „den Hund“ aufpassen. Lindner fragte nach und verstand als Antwort „Na, der Wowereit“. Daraufhin drehte er sich verdutzt um und sah tatsächlich einen Hund. Es war ein Hovawart, kein Wowereit. Er hätte sich schon sehr gewundert, wenn Wowereit ihm hinterhergereist wäre, sagte der FDP-Politiker. Obwohl zur Hochzeit nur Familie geladen war, kamen auch Überraschungsgäste wie Ex-Universal-Chef Tim Renner, der den „Reiswurf“ organisiert hatte.

Das Bewerfen des Brautpaares mit Reis sorgte in dieser Woche bei der Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura für Irritationen. Ihr Sohn Stefan heiratete im Reinickendorfer Standesamt seine Lebensgefährtin Jinghui. Das Paar hatte sich vor zwei Jahren in Dubai kennengelernt. Behördenchefin Wanjura verhehlt nicht, dass viele Behördengänge notwendig waren, um die multikulturelle Ehe auch amtlich zu genehmigen. Als nun das Brautpaar das Standesamt betreten wollte, hätte die energische CDU-Politikerin beinahe interveniert: Denn Sohn und Schwiegertochter in spe wurden schon vor der Trauung mit Reis beworfen. Glücklicherweise klärte sie aber ein Hochzeitsgast auf, dass man den Reis in China tatsächlich schon vor der Zeremonie werfen würde. Nächstes Jahr fährt die Familie nach China, um ihre asiatischen Verwandten kennenzulernen.

Grünen-Politikerin Irmgard Franke- Dreßler wird sich künftig ganz ihrer Partei widmen. In dieser Woche gab sie ihren Fraktionsvorsitz in der Steglitz-Zehlendorfer Bezirksverordnetenversammlung ab und wird sich künftig voll auf ihre Arbeit als Landesvorsitzende der Grünen konzentrieren. Ihre Fraktionskollegen organisierten am Mittwoch einen Empfang zu ihren Ehren im Rathaus Steglitz. Dort habe man es sehr bedauert, dass sich „so ein politisches Alphatier“ wie sie aus der Bezirkspolitik verabschiedet. „Ich freue mich, dass ich als Alphatier wahrgenommen wurde“, sagt die Grüne. Sie hat maßgeblich das berlinweit einzige schwarz-grüne Bezirksbündnis im Südwesten mitgeschmiedet. Ob sie politische Ambitionen auf ein Mandat im Abgeordnetenhaus habe? Das verneint sie resolut. Diese Entscheidung mache sie „sehr frei“. Sabine Beikler

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