Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Raucher kennen keine Parteien, und Pflüger findet ein Jamaika-Mobil

Eigentlich sind die gewählten Vertreter des Volkes nur ihrem Gewissen verpflichtet, aber irgendwie schaffen sie es fast immer, ihre Gewissenhaftigkeit mit den Beschlüssen der eigenen Fraktion in Einklang zu bringen. So auch beim Nichtraucherschutzgesetz, dass am Donnerstag im Abgeordnetenhaus beschlossen wurde: In der ersten namentlichen Abstimmung dieser Wahlperiode, dafür hatte die FDP gesorgt. Stimmkärtchen wurden verteilt, Kabinen und Urnen aufgestellt. Die Auszählung zog sich am Abend elend lange hin. Anschließend eilte der FDP-Mann Kai Gersch, der in der Debatte wacker, aber vergeblich dafür geworben hatte, dass die Gastwirte in freier Selbstbestimmung über Rauchen oder Nichtrauchen entscheiden dürfen, nach draußen vor die Tür. Auf ein genussreiches Zigarettenpäuschen. Und Gersch amüsierte sich sehr, dass er dort auf viele Koalitionsabgeordnete traf, die kurz zuvor geschlossen für das gesetzliche Rauchverbot gestimmt hatten – und anschließend dringend inhalieren mussten.

Er hat es nicht leicht. Trotzdem kämpft Friedbert Pflüger unermüdlich für seine Vision eines Regierungsbündnisses jenseits von Rot-Rot. Und ausgerechnet im fernen Indien war die vage Hoffnung auf Jamaika für den Berliner CDU-Fraktionschef auf einmal zum Greifen nah. In Dehli hatte er, auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung, vor Professoren und Studenten der Nehru-Universität über die Europäische Union referiert. Bevor die Reise weiterging, nach Hyderabad zum Jahrestreffen der Deutsch-Indischen Beratungsgruppe, nahm sich Pflüger noch Zeit für eine Stadtbesichtigung. Dafür winkte er eine der vielen tausend dreirädrigen Motor-Rikschas heran. Zu seinem Entzücken in den Farben schwarz (die Reifen), gelb (das Dach) und grün (das Chassis). Ein Jamaika-Mobil! Der Lack war schon ein bisschen blättrig, aber es handelte sich um ein stabiles Gefährt, das Pflüger zuverlässig vorwärtstrug. za

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