Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Ein Liberaler kämpft für die Braukultur, ein CDU-Mann für die Erinnerung

Bayern unter sich zeigen größtmögliche Solidarität – vor allem, wenn es um die Kunst des Bierbrauens geht. Und die sieht der aus München stammende FDP-Fraktionschef Martin Lindner in Berlin höchst gefährdet: Die Koalition will nämlich den Anschluss- und Benutzungszwang für Trink- und Brauchwasser ab 2008 einführen. Zwar sollen Brauereien ihr Brauwasser – Bier besteht zu 98 Prozent aus Wasser – auch künftig aus den eigenen Brunnen beziehen dürfen, doch glauben Brauherren wie zum Beispiel die aus Niederbayern stammende Familie Häring, die als Familienbetrieb 1992 die „Berliner Bürgerbräu“ übernommen hat, nicht so recht daran. „Wir trauen diesen Ausnahmen nicht, sondern brauchen Planungssicherheit“, sagt Juniorchef Paul Häring. Bei einem Besuch der Bürgerbräu informierte sich FDP-Politiker Lindner über Härings Befürchtungen, dass sein Bier mit gemeinem Leitungswasser den charakteristischen Geschmack verlieren könnte. Und da stutzte Lindner, als er auch die Juniorchefin Tina Häring sah: Sie war eine Mitschülerin von ihm. Die Wiedersehensfreude war groß. Jetzt wird sich der Liberale bestimmt verstärkt für die alte Braukultur einsetzen und dafür eigenhändig Wasser aus dem Brunnen pumpen. sib

Ein wenig seltsam ist der Anblick schon: Kulturstaatsminister Bernd Neumann steht leicht gebeugt in einem Tunnel, den ein paar Glühbirnen notdürftig erleuchten. Des Tunnels Wände sind mit Sandsäcken befestigt, des Kulturstaatsministers Krawatte baumelt wie ein Lot, das zeigt, wie sehr der große Mann sich biegen musste, um in den museal nachgebauten Fluchttunnel zu passen. Alles für die Geschichte und die Erinnerung. Neumann besichtigte am Mittwoch mit den CDU-Kulturpolitikern Michael Braun und Uwe Lehmann-Brauns das Alliierten Museum in Zehlendorf und das Deutsch-Russische Museum in Karlshorst. Hernach lobte Neumann beide Einrichtungen gleichermaßen. Und die Einrichtung in Karlshorst sei ein „herausragendes Beispiel für die deutsch-russische Zusammenarbeit“. Braun vermisste in der Karlshorster Ausstellung deutliche Hinweise auf den doch recht brutalen Umgang der Russen mit den besiegten Deutschen, zumal mit den Frauen. wvb.

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