Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Weihnachtszeit in der Politik mit Gänsen, Klößen oder karibischem Flair

Vor einem Jahr freute sich eine ermattete Politikerschar nach Wahlen, Koalitionsverhandlungen und vielen Gerichtsurteilen auf besinnliche Weihnachten. Auch wenn dieses Jahr die Landespolitik nicht ganz so turbulent verlief, stimmen sich die Politiker jetzt auf ein paar ruhige Tage ein. Statt Debatten über die Umweltzone oder den Flughafen Tempelhof geht es jetzt ums Weihnachtsessen. Und das ist bei den meisten Politikern eine feste Tradition. Klaus Wowereit macht da keine Ausnahme: Beim Regierenden Bürgermeister gibt es am ersten Weihnachtsfeiertag zunächst ein klares Hühnersüppchen, und danach serviert Klaus Wowereit Ente mit Klößen und Rotkohl. Grünkohl, wie es in Norddeutschland und Berlin durchaus üblich ist, kommt bei ihm nicht auf den Tisch. Sein SPD-Parteifreund, Partei- und Fraktionschef Michael Müller, ist ein strenger Traditionalist. Er besteht darauf, dass es das Wintergemüse gibt, und wird mit Genuss Gans mit Grünkohl und Klößen im Kreise seiner Familie genießen.

Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher wiederum zieht Rotkraut vor und isst mit ihrer Familie am Heiligabend Pute mit Rotkohl oder Rosenkohl und Klößen. Danach gibt es bei der Linkspolitikerin einen selbst gemachten Obstsalat. Nach den Feiertagen ist Katrin Lompscher wieder im Dienst und beaufsichtigt die Einführung der Umweltzone Anfang Januar. Ihre Parteifreunde in der Senatorenriege, Heidi Knake-Werner und Harald Wolf, machen dagegen Urlaub. Der Wirtschaftssenator befindet sich bereits in „südlichen Gefilden“, wie es heißt. Man munkelt, er würde in der Karibik segeln. Vielleicht verbringt der stoische Sozialist Weihnachten unter Palmen bei einem kalten Caipirinha und Meeresfrüchten. Berlins Arbeitssenatorin Knake-Werner wiederum feiert Weihnachten mit Familie im Brandenburgischen. Nach einer Fischvorspeise gibt es Entenbrust. Als Dessert wird bei Familie Knake-Werner Mousse au Chocolat kredenzt. Dann verabschiedet sich auch die Linkspolitikerin in den Urlaub und fährt „ans Meer“ mit unbekanntem Ziel.

Very british dagegen hält es die SPD-Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer. Sie besucht ihre Nichte in Oxford und wird zu Weihnachten Plumpudding probieren. Zwischen den Jahren vertritt die Senatorin Klaus Wowereit und wird die Regierungsgeschäfte übernehmen. SPD-Innensenator Ehrhart Körting fährt über Weihnachten nicht in sein Ferienhäuschen an der Nordsee, sondern feiert mit seiner Familie in Potsdam. Ob er wie die Jahre zuvor selbst die Weihnachtsgans zubereitet, will er nicht verraten. Auch SPD-Justizsenatorin Gisela von der Aue begeht Weihnachten im Kreis ihrer Familie. Die Familie schmückt Heiligabend den Weihnachtsbaum. Bei ihr gibt es zu Hause in Reinickendorf als Festessen eine Gans. SPD-Bildungssenator Jürgen Zöllner fährt wie im Vorjahr zu seiner Familie nach Mainz und feiert dort „traditionell“, wie es heißt. Ein echtes Staatsgeheimnis aus seiner Weihnachtszeit macht SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin. Er möchte sich nicht äußern.

Im Kreise seiner Familie feiert auch CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger. Seine Mutter aus Hannover und seine Schwiegereltern sind bei Pflügers zu Gast. Gemeinsam mit Sohn Leo und Tochter Josephine schmückt die Familie am 24. Dezember den Weihnachtsbaum und verbringt den Abend gemütlich zusammen. Bei Links-Fraktionschefin Carola Bluhm steht das Festtagsgericht noch nicht fest. Eventuell fährt sie mit ihrer Familie ins Brandenburgische, wie es heißt. Während Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann Weihnachten bei seiner Mutter in der Lüneburger Heide verbringt, freut sich seine Parteifreundin, die Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig, auf den Besuch ihrer Kinder. Traditionell wird es Kartoffelsalat und kalten Braten geben.

Ein volles Haus erwartet auch FDP-Fraktionschef Martin Lindner. Seine beiden Söhne aus erster Ehe kommen aus München und besuchen ihr vier Monate altes Geschwisterchen Cecilia. Der Liberale wird sich selbst an den Herd stellen und seiner Familie Pastete und Fisch kochen. Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es bei Lindners einen „Vogel“. Einen genaueren Menüplan gibt es aber noch nicht. Lindner freut sich besonders auf das Monopoly-Spielen mit seinen Söhnen. Die beiden würden ihn gewaltig „abzocken“, wie es heißt. Aber Martin Lindner ist bekanntlich relativ schmerzfrei und wird eine solche Niederlage auch gut verkraften können. Sabine Beikler

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