Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Junggebliebene Politiker im Internet und musikalische Höhepunkte bei Pflügers

Soll bitte keiner sagen, Politiker hätten keine Ahnung vom normalen Leben. Täglich klicken sich mehr als vier Millionen junger Leute durch das Studentennetzwerk „Studi VZ“ und zeigen sich dort peinliche Urlaubsfotos, suchen alte Schulkumpels, outen sich als Fan von Dieter Bohlen und gründen kesse Clubs, die sich dann so nennen: „Ich glühe härter vor als Du Party machst.“ Alles Spaß, keine Sorge. Im Studentenportal tummeln sich privat auch jede Menge Berliner Politiker – wie etwa die Abgeordnete Clara Herrmann, 22, von den Grünen: „Ich fand es spannend, alte Freunde wiederzufinden, um zu gucken, was die heute so machen.“ Deshalb ist Clara Herrmann der Gruppe ihrer „Uckermark-Grundschule Schöneberg“ beigetreten, wo sie das Profil aller anderen 160 Mitglieder lesen kann; genauso ist sie Mitglied der Spaß-Gruppe „Havana Club – Kuba’s flüssiges Gold“ (mit fast 600 Fans). „Ich habe nichts zu verstecken“, sagt sie. Deshalb kann auch jeder die Fotos auf Kuba sehen, wo sie im März mit ihrem Uni-Kurs war. Politisch wird’s selten: „Mir schreiben ab und zu Leute, die wissen wollen, wie ich Studium und Politik zeitgleich schaffe.“ Ihre politische Richtung – klar! – grün. Längst haben sich aber auch die „Jusos Berlin“ formiert (126 Mitglieder), die „Julis Berlin“ und die „Junge Union Berlin“, allerdings erst mit 51 Mitgliedern. Es gibt bei Studi VZ auch eine „Tagesspiegel-Leser“-Gruppe, aber das nur am Rande. Ein ganz besonderer Fall ist ein Mann („verheiratet, Politiker, auf der Suche nach netten Leuten“), der im Club der Rockband „Die Ärzte“ und Fraktionsvize der Linkspartei ist: Stefan Liebich. Entweder ist der Mann an der Jugend interessiert oder Langzeitstudent. Liebich feiert Sonntag seinen 35. Geburtstag. AG

Bei Familie Pflüger stand die Weihnachtszeit unter einem äußerst musikalischen Stern. Zur Einstimmung auf die besinnliche Zeit lud CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger seine 88-jährige Mutter Ruth am Sonntagabend zu einem Konzert in die Philharmonie ein. Dort konnten Mutter und Sohn das Weihnachtsoratorium von Bach mit dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach und dem Kinder- und Jugendchor der Berliner Singakademie genießen. Weil das Publikum von dem Konzert so begeistert war, gaben die Musiker eine zeitgemäße Zugabe und spielten Weihnachtslieder. Die Zuhörer in der Philharmonie durften alle mitsingen. Auch die Pflügers reihten sich stimmgewaltig in den Publikumschor ein und schwärmten von dem besonderen Gesangserlebnis. Tags darauf an Heiligabend ging es bei den Pflügers zu Hause musikalisch weiter. Da durften allerdings die Kinder Leo und Josephine den Ton angeben. sib

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