Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Wie ein Grünen-Politiker unversehens zum Anlass für Verschwörungstheorien werden kann, und warum die rot-rote Koalition der Stadt demnächst auch noch das Wetter vorschreiben will

Während etliche Abgeordnete noch im Winterurlaub sind, hat Grünen-Politiker Özcan Mutlu dagegen eine sehr bewegte Woche hinter sich. Der Schulexperte war am Mittwoch Gast in der ARD-Sendung „Hart aber fair“, in der Moderator Frank Plasberg unter anderem mit Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) über das Thema Jugendkriminalität diskutierte. Auch ein früherer Gewalttäter namens Alaattin Kaymak war eingeladen. Als Plasberg diesen Studiogast befragte, was der Staat für ihn hätte tun können, wusste dieser darauf nicht recht zu antworten. Mutlu fragte daraufhin leise Zypries, ob der Studiogast denn gar nicht vorbereitet worden sei. An Mutlus Frage entzündete sich darauf im Internet eine Diskussion über Absprachen und Verschwörungstheorien, die sehr hanebüchen sind, wenn man Mutlus Erklärung hört. Er sei erst kurz vor der Sendung ins Studio gekommen und habe deshalb nicht gewusst, ob es zuvor eine übliche, vorbereitende Gesprächsrunde gegeben habe. „Ich habe mich nur über die Antworten des Mannes gewundert“, sagt Mutlu. Auch Plasberg hat sich dagegen verwahrt, es habe vor der Sendung Absprachen gegeben. Seitdem las Mutlu 150 E-Mails, in denen er zum Teil verbal attackiert wurde. In all dem Trubel hätte die Fraktion beinahe am Donnerstag Mutlus 40. Geburtstag vergessen. Gefeiert wird nächste Woche.

Nach dem Blitzeis in Berlin mussten vergangenes Wochenende 340 Verletzte versorgt werden. Einer von denen, der die Tücken des Glatteises sehr schmerzhaft gespürt hat, war auch Carl Wechselberg. Der Haushaltsexperte der Linken rutschte so unglücklich aus, dass er sich einen komplizierten Trümmerbruch des rechten Oberarms zuzog und noch nachts operiert werden musste. Genesungswünsche erhielt der Linkspolitiker auch von SPD- Landes- und Fraktionschef Michael Müller. Der schickte ihm einen Blumenstrauß und eine gute Flasche Champagner. Auf der beiliegenden Karte schrieb Müller, dass Rot-Rot „das mit dem Wetter auch noch in den Griff kriegen wird“. Da musste der verunglückte Wechselberg dann doch herzhaft lachen. Sabine Beikler

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