Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Liberaler Zorn über Hessens Riesenrad und eine Sektdusche für grüne Politiker

Vom hessischen Wahlkampf hat man in letzter Zeit viel gehört, vor allem aus der CDU. Da mussten die hessischen Liberalen auch mal dagegen halten und baten den Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner um Wahlkampfhilfe. Lindner ist bekannt für klare und kräftige Worte, die durchaus schon mal in populistischen Zuspitzungen enden. So flog Lindner vergangenen Sonntagmorgen nach Hessen, wo er als erstes von seinen Parteifreunden zum Frühstück in das Restaurant „Mutter Krauss“ in Schwalbach am Taunus eingeladen wurde. In der Traditionsgaststätte war schon Otto von Bismarck zu Gast. Gestärkt und beflügelt ob der Reminiszenz an Preußen sprach Lindner über die Vorzüge Berlins, aber auch über „rot-rote Missstände“. Ein Dorn im Auge sind dem Liberalen vor allem die Ordnungsämter, die die Bürger durch Knöllchen für Falschparker eher schikanierten statt Belästigungen beseitigten. Das wurmt den Liberalen dermaßen, dass er am Donnerstag im Parlament auf ein „Provinz-Kirmes-Riesenrad“ ausgerechnet auf dem Grundstück der hessischen Landesvertretung zu sprechen kam. Bei jedem Gartenzwerg im Vorgarten werde man schon auf Denkmalschutzaspekte hingewiesen, aber „offenbar kann sich jeder ein Riesenrad in den Vorgarten stellen“. Bald sei Berlinale – und so ein „Kirmes-Produkt“ als Aushängeschild ziere Berlin nun wirklich nicht.

FDP-Fraktionschef Lindner und den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verbindet keine Hassliebe. Sie teilen gern gegenseitig aus, aber sie respektieren sich. Auf Lindners Kritik am Riesenrad vor der hessischen Landesvertretung reagierte Wowereit im Parlament diplomatisch. Man arbeite daran, dass Berlin noch schöner werde. „Und für Hinweise sind wir sehr dankbar“, sagte Wowereit. Das Erscheinungsbild präge den bleibenden Eindruck einer Stadt. Es seien schon „Kleinigkeiten, die die Menschen beeindrücken können“. Das Riesenrad erwähnte er in diesem Zusammenhang ausdrücklich nicht. Auch Wowereit zog es wie Lindner noch einmal vor dem Wahlsonntag nach Hessen: Am Freitag standen Darmstadt, Offenbach, Wetzlar und Gießen auf seinem Reiseprogramm.

Viele Gäste kamen vergangenen Freitag zum 40-jährigen Jubiläum des politischen ARD-Magazins „Kontraste“, das vom RBB produziert wird. Bei der Feier in den RBB-Studiogängen waren unter anderem die Grünen-Politiker Ramona Pop und Jochen Esser ebenso wie Innensenator Ehrhart Körting (SPD) geladen. Angeregt unterhielt man sich in den Gängen, die allerdings so eng sind, dass die Kellner ihre liebe Not hatten, sich mit den Tabletts durch die Massen hindurch zu kämpfen. So beobachtete Frau Pop, dass ein Kellner langsam die Balance mit seinem Tablett mit vollen Sektgläsern zu verlieren drohte. Geistesgegenwärtig zogen die Grünen-Politiker den Innensenator weg vom drohenden Unheil und durften statt seiner eine gehörige Sektdusche genießen. Die beiden nahmen es mit Humor, wie „begossene Pudel“, so Frau Pop, dagestanden zu haben. Es passiert ja auch nicht jeden Tag, den Innensenator vor einem solch prickelnden (Sekt-)Anschlag retten zu dürfen. Sabine Beikler

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