Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Stefan Jacobs über stillen Jubel, scharfe Warnschüsse und Russischbrot

Stefan Jacobs

Im Sportausschuss des Parlaments ging es jüngst um die friedliche Koexistenz von Sportplätzen und Anwohnern: Jubelnde Fans und pfeifende Schiris versus ungestörte Mittagsruhe – manchmal ein fast unlösbares Problem. Oder doch nicht? Gabriele Hiller von der Linksfraktion überraschte die ratlose Runde mit einem Lösungsvorschlag, den sie noch aus ihrer Zeit als Sportlehrerin parat hatte: „Fäustchenfreuen“. So hätten sie das zu DDR- Zeiten gemacht, als es mehr Sportunterricht als Hallen gab und man deshalb gelegentlich auf dem Schulflur geturnt habe. Um nicht zu stören, wurden also bei Bedarf die Fäuste geballt und „Ja! Ja! Ja!“ gedacht. Abgestimmt wurde über diesen Vorschlag allerdings nicht.

FDP-Landeschef Markus Löning und der Rechtspolitiker der Fraktion, Sebastian Kluckert, waren in dieser Woche zu Besuch in der Jugendarrestanstalt Lichtenrade – das ist die letzte Station vor dem Gefängnis. Der dortige Leiter freute sich sehr, weil die Liberalen die ersten Politiker gewesen seien, die es seit Beginn der Debatte über die Jugendgewalt dorthin verschlagen habe. Natürlich ging es bei dem Besuch im Arrest auch um den viel diskutierten „Warnschuss“. Der sieht in Lichtenrade so aus, dass Neuankömmlinge den ersten Tag allein in der Zelle verbringen müssen – selbstverständlich ohne Handy. Das beeindruckt manche schon. Und Löning beeindruckt, dass vor ihm niemand dort gewesen sei. Dabei sei ein Besuch an der Basis doch die richtige Ergänzung zu all den Ferndiagnosen, die in Umlauf sind.

Als gute Gastgeberin bot Carola Bluhm den beiden Tagesspiegel-Redakteuren Kekse an, als diese am Mittwochmorgen zum Interview im Büro der Linksfraktionschefin im Abgeordnetenhaus erschienen. Als einer scherzte, ob’s denn hier kein Russischbrot gebe, erwiderte sie prompt: „Na klar doch, habe ich im Schrank. Möchten Sie?“ Zwar lehnten die Besucher dankend ab, aber hinterher wurde das fast vergessene Gebäck doch noch aus dem Schrank geholt – und von mehreren Linksfraktionären mit Ost-Erfahrung verkostet. Ergebnis: Zu süß. Früher war eben doch manches besser. Nur eine gute Nachricht bleibt: Selbst am Freitagmittag, also 48 Stunden nach dem Öffnen, war das Gebäck noch knusprig von A bis Z.

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