Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Ein heiß begehrter Klaus Wowereit und ein bisschen Sarkozy im Parlament

Als der Regierungsumzug aus Bonn beschlossene Sache war, sagten ängstliche Zeitgenossen voraus, das Berliner Rathaus werde in Bedeutungslosigkeit versinken. Staatsgäste würden nur noch beim Kanzleramt vorfahren und nicht mehr, wie in den guten West-Berliner Zeiten, scharenweise beim Regierenden Bürgermeister vorsprechen. Aber es kam ganz anders – Klaus Wowereit kann sich vor Gästen aus aller Welt kaum retten. Am Donnerstag schaute der jemenitische Staatspräsident Ali Abdallah Saleh vorbei. Am Mittwoch trug sich Fürst Albert II. von Monaco ins Goldene Buch der Stadt ein und am Montag klopfte die irische Staatschefin Mary McAleese samt Ehemann Martin an die Rathaustür. Den Rundgang am Pariser Platz kann der Regierende Bürgermeister längst mit geschlossenen Augen absolvieren. Die Fotos mit Blick auf die Quadriga ähneln sich, als stünde dort ein Wowi aus Pappmaché, der mit dem Finger in Richtung Rathaus zeigt. Kürzlich hat er auch die Staatschefs aus Lettland und Indien begrüßen dürfen. Und Herrn Otmar Hasler aus Liechtenstein – da waren zwei Kleinfürsten unter sich. za

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy revolutioniert gerade den Kommunikationsstil des leidenschaftlichen Politikers. Im Abgeordnetenhaus trainieren sie das jetzt auch. In der heißesten Phase der Tempelhof-Debatte lief SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler zum Sitzungspräsidenten Uwe Lehmann-Brauns, damit der den Ältestenrat einberief. FDP-Fraktionschef Martin Lindner, der das Wort hatte, forderte Lehmann-Brauns auf: „Werfen Sie den Kerl raus!“ Derweil warf der Linkspartei-Abgeordnete Wolfgang Albers dem Sitzungspräsidenten vor, er habe die Rede seiner Fraktionsgenossin Jutta Matuschek kommentiert. Das sei nicht statthaft. Lehmann-Brauns soll laut einer Ohrenzeugin geantwortet haben: „Ich komme Ihnen gleich da herunter.“ Albers sei viel zu „kompakt“ gebaut, um sich mit ihm anzulegen. Aber selbst wenn Lehmann-Brauns gesagt haben sollte, was er gesagt zu haben bestreitet: Es wirkt doch in den Zeiten der Sarkozyierung dezent und selbstbeherrscht. wvb.

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