Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Volker Ratzmann sorgt sich, Raed Saleh freut sich

Der Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann macht sich Sorgen um die Leistungsfähigkeit der Berliner Polizei. Das hängt mit der am gestrigen Freitag vorgestellten Kriminalstatistik zusammen – weniger mit den Daten als mit der Präsentation der Statistik. Früher war es üblich, dass der Innensenator die Datensammlung erst den fachlich zuständigen Abgeordneten vorstellte und mit ihnen diskutierte, dann der Öffentlichkeit. Neuerdings ist dafür keine Zeit mehr. Doch um den Abgeordneten etwas Zeit zu geben, sich etwas Kluges zur Statistik auszudenken, sollten sie die Datensammlung am Abend vor der Präsentation persönlich zugestellt bekommen. So war von der Linkspartei-Innenexpertin Marion Seelig zu hören, am Donnerstagabend habe es bei ihr geklingelt, über die Gegensprechanlage kam die Ansage: „Hier spricht die Polizei. Wir haben etwas für Sie.“ Bei Ratzmann scheiterten die Polizisten – er war nicht zu Hause. Vielleicht wäre ein kleiner Anruf der Innenverwaltung auf seinem Mobiltelefon sinnvoll gewesen, sinnierte er am Freitagmorgen. Jedenfalls frage er sich, wie es um die Sicherheitskräfte stehe, wenn sie schon an der Überbringung einer Datensammlung scheiterten.

Der Spandauer SPD-Mann Raed Saleh hat andere, man könnte sagen: gegenteilige, Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Er muss den Eindruck haben, dass Berliner Polizisten auf der Höhe der Zeit und der passenden Sozialpolitik sind. Saleh, der in West-Jordanien geboren und heute einer der wenigen arabischstämmigen Abgeordneten ist, gründete in Spandau das Projekt „Stark ohne Gewalt“. Da gehen Jugendliche zusammen mit uniformierten Polizisten durch ihren Kiez und versuchen, mit anderen Jugendlichen, die auf Krawall und Ärger aus sein könnten, ins Gespräch zu kommen. Das Projekt soll junge Männer dazu bringen, ein bisschen Verantwortung für den Kiez zu übernehmen. Vor kurzem bestand es ein Jahr – die Polizei ist hoch zufrieden, die Jugendkriminalität soll spürbar abgenommen haben. Saleh bekam einen Schlagstock mit der Aufschrift „Ehrenkommissar der Berliner Polizei“ geschenkt. Den bewahrt er nicht im Abgeordnetenhaus auf, sondern zu Hause, „in einem Schrank“, wie er versichert. Dieser Schlagstock ist nur zum Ansehen da. wvb.

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