Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Das Ende gelb-grüner Rauchpausen und Freunde jamaikanischer Genüsse

Obwohl Steffen Saebisch „mehr Freizeit“ als seinen größten Traum bezeichnet, handelt der FDP-Fraktionsgeschäftsführer gar nicht danach, diesen Traum zu verwirklichen. Der 37-Jährige verlässt nach vier Jahren Tätigkeit im Abgeordnetenhaus die Landespolitik und kehrt zurück in den Bundestag, wo er zuvor schon in der FDP-Fraktion unter anderem als Referent für Sozialpolitik gearbeitet hatte. Steffen Saebisch wird jetzt Leiter des Planungsstabes der Bundestagsfraktion und in seiner neuen Funktion sicher auch nicht mehr Freizeit haben als bisher: Künftig muss er sich um die Themensetzung und die strategische Planung bei den Liberalen kümmern. Steffen Saebisch geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite freue er sich über seine neue Aufgaben, sagt er. Auf der anderen Seite aber habe er die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern und den anderen Fraktionsgeschäftsführern sehr geschätzt. „Die Arbeit im Abgeordnetenhaus verläuft sehr professionell. Nur sollten sich die Parlamentarier ernster nehmen“, sagt er. Dass der Senat mitunter nicht mit der gebotenen Seriosität mit dem Parlament umgeht, ärgert ihn. So seien manche Antworten auf Anfragen der Parlamentarier allzu schludrig verfasst. Und dass sich die Regierungsbank während parlamentarischer Debatten häufig lichtet und die Senatsmitglieder mit längerer Abwesenheit bei Plenarsitzungen glänzen, ist ein Ärgernis, das neben der FDP auch andere Fraktionen kritisieren. Steffen Saebisch wird vor allem auf ein eingeschworenes Ritual verzichten müssen: kleine Rauchpausen mit dem Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Heiko Thomas. Beide Herren gestehen, ab und zu Zigarillos oder eine gute Zigarre zu rauchen.

Die Zusammenarbeit zwischen CDU, Grünen und der FDP ist in dieser Legislaturperiode enorm verbessert worden. Es gibt viele gemeinsame Anträge, die vor den Sitzungen von den Fraktionsgeschäftsführern eingereicht werden. Um diese schwarz- gelb-grüne Kooperation weiter zu verbessern, neue Strategien zu entwickeln und ein wenig über Jamaika zu philosophieren, treffen sich kommende Woche die parlamentarischen Geschäftsführer der CDU- Fraktion, Frank Henkel und Uwe Goetze, mit ihren Kollegen Heiko Thomas von den Grünen und Steffen Saebisch von der FDP zu einem gemeinsamen Arbeitsessen. Nur der Ort steht noch nicht fest, denn die Herren suchen ein gutes jamaikanisches Restaurant möglichst in Mitte. Vielleicht sollten sie sich besser unter den karibischen Lokalen umtun, die Berlin so bietet. Denn eine typisch jamaikanische Küche gibt es gar nicht: Sie ist eine Mixtur aus europäischer, afrikanischer und asiatischer Küche mit einheimischen Gewürzen, Gemüse, vielen Eintöpfen, Fisch, Huhn oder Schwein. Die schwarz-gelb-grüne „Jam Session“, wie ein geselliges Beisammensein mit musikalischer Untermalung auf den karibischen Inseln heißt, zahlen die Geschäftsführer übrigens aus ihrer eigenen Tasche, wie sie betonen.

Im weiteren Sinn hat auch der grüne Rechtspolitiker Benedikt Lux mit Jamaika zu tun. Der sich im Referendariat befindliche Jura-Student hatte sich für die Straffreiheit bei einem Eigenanbau von maximal fünf Hanfpflanzen ausgesprochen. Das solle Konsumenten vor gefährlichen Schadstoffen im Cannabis schützen, sagte Lux, nachdem in Leipzig mit Blei versetztes Cannabis aufgetaucht war. Und der Senat, so Lux damals, könne doch Haschisch-Konsumenten nicht solchen Gefahren bei der Beschaffung aussetzen. Deshalb müssten beschlagnahmte Drogen auf Schadstoffe getestet werden – und der „Heimbedarf“ von fünf Hanfpflanzen pro Haushalt erlaubt werden. Mit dieser Forderung erntete Benedikt Lux wenig Verständnis bei den Strafverfolgungsbehörden und fand auch keine Mitstreiter in den anderen Parteien. Seitdem wird er vom Wachpersonal des Abgeordnetenhauses „Bob Marley“ genannt. Vor ein paar Tagen fand der grüne Abgeordnete in seiner Post eine CD der Berliner Reggae- und Dub-Band „Seeed“ vor. In einem der Songs wird über das Ganjarauchen philosophiert. Als Ganja wird in Jamaika Marihuana bezeichnet. Benedikt Lux hat sich über die CD von Seeed sehr gefreut und mutmaßt nun, dass sich hinter einem der Wachmänner des Preußischen Landtags ein „Bruder im Geiste“ verbirgt. Sabine Beikler

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