Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Lars von Törne über Schreib- und Schönheitsfehler im Abgeordnetenhaus

Lars von Törne

Selten wurde ein im Abgeordnetenhaus angeprangertes Problem zugleich so anschaulich illustriert wie am Donnerstagabend bei der Debatte über Analphabetismus. Als die Parlamentarier die Debatte eröffneten, wurde auf der Leuchttafel hinter dem Rednerpult wie üblich das Thema angeführt. Und was stand da in großen roten Leuchtbuchstaben? ANANLPHABETISMUS. Als hätte es noch eines Beweises bedurft, wie verbreitet das Phänomen ist. Als sich mehr und mehr Zuschauer und Abgeordnete über den Fehler amüsierten statt den Reden zu lauschen, wurde die Tafel ausgeschaltet und kurz darauf mit der richtigen Schreibweise wieder eingeschaltet. Doch als Özcan Mutlu von den Grünen das Wort ergriff, erschien auf der Leuchttafel sein Name mit „cz“ statt mit „zc“. Etliche Parlamentarier, die zuvor betont hatten, dass es in Sachen Alphabetisierung noch viel zu tun gibt, durften sich bestätigt fühlen.

Seit einigen Tagen verfolgt die Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses ein Scherz aus einem Tagesspiegel-Internetforum. Als auf den Online-Seiten des Tagesspiegels vergangene Woche gefragt wurde, wer den Posten des scheidenden CDU-Landeschefs Ingo Schmitt übernehmen solle, schlug ein Leser Karin Seidel-Kalmutzki vor. Begründung: „Die sieht gut aus.“ Der Schönheitsfehler: Frau Seidel-Kalmutzki ist SPD-Mitglied. Nun wird die Sozialdemokratin von ihren Fraktionskollegen fröhlich gefoppt, sowohl wegen der Begründung des Leservorschlages, als auch wegen der ihr unterstellten Affinität zur politischen Konkurrenz. „Sie erwägt nicht, die Partei zu wechseln“, heißt es aus der SPD – „trotz des unglaublich verlockenden Angebots.“

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