Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Eberhard Diepgens Abendandacht: Ich will dienen in dieser Zeit

Was treibt ihn um? Oder genauer gefragt, was hat ihn umgetrieben, als Eberhard Diepgen noch Regierender Bürgermeister war? Weit beugte sich der CDU-Mann am Donnerstagabend über die Kanzel: „Wichtig war mir immer, nicht nur an heute und morgen zu denken, sondern Entscheidungen zu treffen, die bleiben.“ In der Zwölf-Apostel-Kirche, im Norden Schönebergs, waren etwa hundert Menschen zur Andacht gekommen, in deren Rahmen Diepgen predigen durfte. Die Gottesdienstreihe nennt sich „Politikerkanzel“, und der Pfarrer ließ es sich zur Begrüßung nicht nehmen, den Ex-Regierenden mit freundlich-ironischem Unterton an dessen frühere Kritik an der Kirche zu erinnern.

Denn Diepgen hatte einst gemahnt, dass sich die Kirche zu sehr um die Tagespolitik kümmere, anstatt die Verbreitung des christlichen Glaubens zu fördern. Dazu steht der Christdemokrat auch heute noch. Er selbst habe sich mit seinem Anspruch, politisch zu gestalten, an Käthe Kollwitz orientiert, die Anfang der zwanziger Jahre in ihr Tagebuch schrieb: „Ich will dienen in dieser Zeit.“ Nicht nur die Freiheit des Einzelnen, sondern die soziale Verfasstheit des Menschen sei ihm immer wichtig gewesen, verriet Diepgen. Die Ökonomie dürfe nicht im Vordergrund stehen. „Angesichts der Krise des real existierenden Kapitalismus“ fühlt sich der CDU-Mann in seiner Lebenshaltung bestätigt. Dann läuteten auch schon die Glocken. Am 13. November gestaltet übrigens die SPD-Linke Andrea Nahles die Abendandacht. za

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar