Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Martin Lindner räumt auf, Florian Graf kauft ein

In sieben Jahren sich entwickelnder Polit-Polemik hat sich Martin Lindner nur ein Mal vertan – in seiner Einschätzung. Das mit dem „Freisler-Vergleich“, sagte der ehemalige FPD-Fraktionschef am Freitag, „das tut mir leid“. Fast fünf Jahre ist es her, es war die Adoleszenz des Kampfredners Lindner, und es ging um die Verfassungsklage der FDP gegen den Doppelhaushalt. Da griff der Damals-noch-PDS- Abgeordnete Marian Krüger Lindner an, der „in schäbiger Weise“ Berliner Interessen demontiere. Was Lindner mit der Bemerkung konterte, da werde ihm „in der Manier Roland Freislers“ Schäbigkeit und Ehrlosigkeit vorgeworfen. Ach ja. Sonst aber ist Lindner mit der Bilanz als Fraktionschef zufrieden. Es sei gelungen, „die FDP wieder zu profilieren“ – nicht nur als Fürsprecherin der Wirtschaft, der Leistung, der Bürgerlichkeit, sondern auch der Bürgerrechte. Ein paar Leuten wird der Mann, der unbedingt in den Bundestag will, im Berliner Politbetrieb womöglich fehlen. Keiner schafft so fix wie er die leicht boshaften Bemerkungen im sonst so sperrigen Politsprech, die sogar den regierenden Sonnenschein gelegentlich zu ärgern scheinen – etwa wenn Lindner sagt, Rot-Rot stehe für „Entbürgerlichung“, Vereinheitlichung in der Bildungspolitik und dafür, dass Berlin Hartz-IV-Hauptstadt bleibe. Derzeit arbeitet Lindner seine Angriffslust vorzugsweise rasenmähend und heimwerkend ab.

Der Linkspartei-Kulturmann Wolfgang Brauer fand sich in einem Boulevardblatt als „Wackelkandidat“ verunglimpft – einer, der Rot-Rot scheitern lassen könnte. CDU-Parlamentsgeschäftsführer Florian Graf tröstete den Abgeordneten mit dem schönen vollen Von-Marx-bis- Bakunin-Bart mit vier Wackelpuddings in Grün, SPD-Rot, FDP-Gelb und Dunkel – für jeden möglichen Wechsel einen. Der Dunkel-Pudding sollte nach Johannisbeere schmecken. Doch rechneten sie in der CDU nicht wirklich mit der Überzeugungskraft der Fast-Schwarz-Beere und dem Genossen Brauer. wvb.

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