Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Grüne Alte mit 27, linke Läuferinnen und ein SPD-Politiker im Kampf um Hartz IV

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Foto: promo

Auf dem Rückweg von der Fraktionsklausur der Grünen im brandenburgischen Sommerfeld fuhr Innenpolitiker Benedikt Lux mit der Berliner Parteichefin Irma Franke-Dressler im Auto mit. Die Parteichefin machte einen kurzen Abstecher nach Kuhhorst: Dort arbeitet ihre Tochter Katharina Franke auf einem Öko-Hof für junge behinderte Menschen. Als eine Arbeitskollegin der 33-jährigen Tochter von Frau Franke-Dressler Benedikt Lux sah, musterte sie ihn von oben bis unten und sagte: „Ach, Sie sind also der Vater von Katharina.“ Da war der Grünen-Abgeordnete sprachlos. „Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht mit so etwas“, sagte Lux, der im Dezember 28 Jahre alt wird.

Eine im wahrsten Sinn linke Laufgruppe hat sich während des Wahlkampfs formiert. Nach der Marathon-WM liefen die Abgeordneten der Linken, Elke Breitenbach und Gabi Hiller, mit der persönlichen Referentin der Sozialsenatorin, Katina Schubert, den Jedermanns-Lauf über zehn Kilometer. Einen Tag später beteiligten sich die Linkspolitikerinnen Breitenbach, Schubert, Halina Wawzyniak, Direktkandidatin in Friedrichshain-Kreuzberg, und die sächsische Landtagsabgeordnete Caren Ley an einem Viertelmarathon. Am 5. September laufen die Damen in Hoyerswerda, wo Ley direkt kandidiert. Sie sind laut Breitenbach deutlich erkennbar an ihren T-Shirts: vorne das Logo der Linken, hinten steht: „Sie läuft, läuft und läuft …“

Amüsiert hat sich der SPD-Direktkandidat in Neukölln, Fritz Felgentreu, auf einer Wahlkampftour in der Sonnenallee. Er wurde von jugendlichen Hartz-IV-Empfängern gefragt, ob Hartz IV abgeschafft werde, wenn die Linken die Wahl gewinnen. Schließlich steht „Hartz IV abschaffen“ auf ihren Plakaten. Felgentreu erklärte den Widerspruch: Die Linke will den Regelsatz zwar schrittweise auf 500 Euro anheben – grundsätzlich aber Hartz IV durch eine „sanktionsfreie Mindestsicherung“ ersetzen, also Hartz IV abschaffen. Felgentreu riet den Jugendlichen feixend, sie sollten die Linken deshalb nicht wählen. Dass sie stattdessen für die SPD stimmen, haben sie Felgentreu aber nicht zugesagt. Sabine Beikler

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