Berlin : HINTER DEN KULISSEN

Schruoffeneger handelt mit Büchern, Sarrazin erinnert an die Heide

Gelegentlich bekommt der Grüne Oliver Schruoffeneger Anrufe vom CDU-Mann Michael Braun. Darin geht es nicht um Politik, sondern um Bücher. Schruoffeneger vertreibt nämlich über einen Internethändler gebrauchten Lesestoff, den ihm Freunde und Kollegen wie Braun zur Verfügung stellen. Das Geld, das der Grüne einnimmt, geht an ein Ausstiegsprojekt für vier Prostituierte in der Dominikanischen Republik. Die Propaganda von Mund zu Mund hat dazu geführt, dass Schruoffeneger einen Keller mit zehntausend Büchern verwaltet. Er nimmt, was man ihm bringt – Braun übergibt ihm gelesene Bücher im Abgeordnetenhaus. So habe das auch der ehemalige Staatssekretär Hermann Schulte-Sasse gemacht, erinnert sich Schruoffeneger. Dessen politische Biografie könne er anhand der abgelieferten Literatur komplett nachvollziehen. wvb.

Als der scheidende Finanzsenator Thilo Sarrazin daran erinnerte, dass es in den sechziger Jahren die Idee gab, (West-)Berlin aufzugeben und in der Lüneburger Heide neu aufzubauen, blieb er etwas wolkig. Ja, es entstand fast der Eindruck, als wäre es sein Vorschlag gewesen, als er noch im Bundesfinanzministerium missmutig das Geld für die Berliner Wohnungsbauförderung abzählte. Dem Bundesbanker in spe trauen wir auch vieles zu, aber diese Idee wuchs nicht auf seinem Mist. Es war der Christdemokrat und damalige Bundesaußenminister Gerhard Schröder, der im September 1961, einen Monat nach dem Mauerbau, eine „Frontbegradigung“ forderte. Im Grunde gebe es nur die Wahl zwischen einem Krieg mit den Russen oder der Räumung Berlins, soll er gesagt und die Umsiedlung der Bevölkerung des Westteils in die Lüneburger Heide vorgeschlagen haben. Die Aufregung war groß, und die Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten drohten, Konrad Adenauer bei der Kanzlerwahl die Stimme zu verweigern, weil er Schröder tapfer verteidigte. za

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