Berlin : Hinter den Kulissen

Schulsenator Klaus Böger hat sich dieser Tage das Leitmotiv seines Handelns gerahmt aufs Sidebord im Senatorenbüro gestellt, edle Goldschrift, altmodische Buchstaben. Man liest: "Das Geld in Schulen angelegt,/ Die allerhöchsten Zinsen trägt. Der Groschen für der Schule Macht/ Wird auch als Thaler heimgebracht." Darunter steht ohne nähere Hinweise: "Wandspruch im Berliner Rathaus, 1869." Böger fiel die Spruchweisheit im Roten Rathaus in die Hände, wo er sein Bürgermeister-Büro hat. Dem Kollegen Finanzsenator Peter Kurth, der mit den Etatmitteln knausern muss, will er eine Abschrift zukommen lassen.

Im heiligen Zorn auf die Angriffe der Grünen und die Rücktrittsforderung des CDU-Generalsekretärs Ingo Schmitt gegen Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler hat der SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit eine heiße Verschwörungstheorie entwickelt. Er warf dem Grünen-Abgeordnete Müller-Schoenau am Donnerstag im Parlament vor, gemeinsam mit Schmitt an einer schwarz-grünen Koalition zu basteln. Prompt gab der erboste Müller-Schoenau eine persönliche Erklärung ab. Das einzige, was ihn mit Herrn Schmitt verbinde, sei die gemeinsame Schulzeit, rief er vom Rednerpodium herab. "Das hat mich ein Jahr meines Lebens gekostet, ich musste das Fach Politische Weltkunde wechseln, weil es zusammen mit Schmitt nicht auszuhalten war!" Gelächter im Saal, fraktionsübergreifend.

Es war zum Piepen. Als sich das Parlament über die "Erleichterung der Einbürgerung von Kindern" stritt, konnte die SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Petra Merkel den vorgesehenen Redner nicht auftreiben. Vize-Parlamentspräsident Walter Momper, der die Plenarsitzung leitete, reagierte kühl: "Ja, wer nicht da ist, kann auch nicht reden, so ist das nun mal. Das erleichtert mir jetzt das Leben, ich rufe den nächsten Tagesordnungspunkt auf." Da ging es um die Rettung des ehemaligen DDR-Wachturms am Leipziger Platz, und diesesmal fehlten gleich drei Redner: Alice Ströver (Grüne), Uwe Lehmann-Brauns (CDU) und Frederik Over (PDS), der in letzter Minute angehetzt kam, als Momper schon das nächste Thema aufrufen wollte. Ströver und Lehmann-Brauns trödelten schuldbewusst hinterher. Was niemand wissen sollte: Sie kamen zu spät, weil sie in einer Fachsprecherrunde saßen. Sprecherrrunden während der Plenarsitzungen sind aber streng verboten.

Die CDU im "Ländle" weiß, wie man sich Mehrheiten besorgt. Alle CDU-Bundestagsabgeordneten der baden-württembergischen Landesgruppe bekamen am Mittwoch einen freundlichen Hinweis ihres Landesgruppenchefs zugefaxt: "Die Bild-Zeitung veranstaltet heute ... eine telefonische Ted-Umfrage, ob Joschka Fischer Außenminister bleiben soll." Folgte die Telefonnummer samt der Anweisung: "Bitte rufen Sie an und benachrichtigen Sie auch umgehend die Wahlkreisbüros und andere geeignete Personen!" Der Übereifer führte prompt zu einer Panne: Das interne Rundschreiben rutschte auch bei der SPD-Landeszentrale aus dem Faxgerät. Pressesprecherin Anja Sprogies amüsierte sich: "Wenn die CDU schon Stimmung macht, sollte sie es professioneller tun." B. GRUNERT / U. ZAWATKA-GERLACH

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