Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Pünktlich zum Frühlingsanfang war Michael-Andreas Butz wieder da - wie der leibhaftige Lenz im Schneegefussel - himmelblaue Krawatte, hellgrauer Anzug und so braungebrannt, dass sich die Haut auf der Nase pellte. "Ich muss mich ja wohl nicht entschuldigen, dass ich zwei Wochen in der spanischen Sonne saß, nicht in dieser weltoffenen Stadt mit ihrer Sympathie für Farbige", sprach der Senatssprecher am Dienstag. Im Übrigen sei ja in den zwei Urlaubswochen "nichts Besonderes passiert". Das war nun ganz im Sinne seines Herrn und Meisters Eberhard Diepgen. Der kennt auch keine Koalitionskrise; er weiß gar nicht, wovon die SPD-Größen Peter Strieder und Klaus Wowereit und Klaus Böger reden. Ja, ist denn Butz nicht aufgefallen, dass sich Diepgen und Strieder soeben am Senatstisch einen Wortwechsel voller Gift und Galle geliefert hatten? Iwo. "Ich bin doch kein Senatsschwätzer."

Es sei denn, er verkauft uns den Regierenden von der menschlichen Seite. Also Diepgen gefällt es gar nicht, dass die Schwimmbäder ihre Öffnungszeiten einschränken und einige sogar schließen wollen. Deshalb bat er (nach dem Zusammenstoß mit Strieder) den Sportsenator Klaus Böger um einen Bericht, und man beratschlagte, wie das Übel zu lindern sei, zum Beispiel durch flexible Öffnungszeiten. Dass Böger aber auch immer so trocken sein muss. Ob Diepgen denn schon davon gehört habe, dass der Senat den Bäderbetrieben die Zuschüsse kürzen musste. Butz erzählte der Presse aber lieber, wie Diepgen seine Wehmut bekundet hat, weil auch die Bäder seiner Jugend dicht machen, nämlich Humboldthain und Jungfernheide - zum Glück nicht auch noch Plötzensee. Böger trocken: "Das hat keine persönlichen Bezüge, Herr Diepgen."

Im Ernst, so traurig ist keine politische Krise, dass kein Spaß mehr möglich wäre. Der Hauptausschuss, in dem die Haushaltsexperten wie Wowereit und Alexander Kaczmarek (CDU), Burkhard Müller-Schoenau (Grüne) und Harald Wolf (PDS) immer über die leeren Kassen beraten müssen, war bei der EU-Kommission in Brüssel; von da gibt es ja auch Geld. Zumindest ein Gläschen Sekt spendierte die Haushaltskommissarin Michaele Schreyer (Grüne). Die Wiedersehensfreude mit der Berliner Ex-Kollegin soll allseits ganz rührend gewesen sein. Und da sich die Berliner abends zu interfraktionellen Plaudereien beim Wein trafen, fiel allen ein, welch ein feines Karrieresprungbrett der Hauptausschuss sein kann. Man könnte EU-Kommissar werden wie Frau Schreyer oder Fraktionschef (Kaczmarek) oder Regierender Bürgermeister (Wowereit). Seit Mittwochabend hat sie der graue Alltag wieder.

Sehr verwundert war SPD-Fraktionssprecher Hans-Peter Stadtmüller, als er nach einem schönen London-Wochenende auf dem Flughafen Tegel wieder Berliner Boden betrat. Herr und Frau Stadtmüller waren wegen der Maul- und Klauenseuche auf Kontrollen und Vorsichtsmaßregeln gefasst. Man müsse bei der Ankunft auf deutschen Flughäfen über "Desinfektionsteppiche" gehen, hatten sie gehört. Halb so wild, in Tegel bemerkten sie Zettel mit allgemeinen Hinweisen, die mit Tesafilm an Glasscheiben geklebt waren. Dafür machte die Fraktion großen Aufwand. Vor seiner Büro-Tür im Parlamentsgebäude fand der Sprecher einen Spezialfußabtreter - aus Pappe. "Entseuchungsmatte" stand mit Filzstift drauf geschrieben. Drei Mal musste Stadtmüller unter dem Gelächter seines Stellvertreters Volker Holtfrerich und seiner Mitarbeiterinnen Anne Klingbiel und Monika Blüm drüber laufen, ehe er eintreten durfte.

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