Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Ach, die Reinheit der deutschen Sprache. Eckart Werthebach will sie als erstes in der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Berliner Verwaltung durchsetzen, kurz GGO. Also schrieb der Innensenator im schönsten Bürokratendeutsch in seine Vorlage zur Änderung der GGO, Fremdwörter seien in amtlichen Schriftstücken zu vermeiden, "insbesondere solche aus dem angelsächsischen Raum" und vor allem, "wenn geeignete deutsche Wörter vorhanden sind". Die SPD-Seite im Senat findet den Passus unsinnig, weil entbehrlich, der Rat der Bürgermeister auch. Der Senat disputierte nun am Dienstag heftig (in Abwesenheit Werthebachs und des Regierenden) - bis dem Chef der Senatskanzlei eine humoristische Einlage einfiel. Volker Kähne hatte ein altes Büchlein parat. Titel: "Dem Deutschen sei seine Sprache heilig! Ein Fremdwörterverdeutschungsbuch." Daraus zitierte er das Verdeutschungswort für Koalition von anno dunnemals: "Verbrüderung." Zu komisch bei dieser spannungsreichen Koalition. Alles lachte einträchtig. Und Bürgermeister Böger sprach das Wort zur Weisheit der Vertagung des Themas: "Möge jeder in sich gehen."

Der 1. Mai macht den Politikern mächtige Sorgen, und viele Abgeordnete werden unterwegs sein, die Lage zu peilen. Klaus Böger aber ist weit vom Schuss. Er werde am 1. Mai in Rom demonstrieren, scherzte er im Senat. Nicht doch, Urlaub macht er dort, Politik allerdings inbegriffen. Er trifft sich mit Bürgermeister Rutelli, dem sozialdemokratischen Spitzenkandidaten für die italienischen Wahlen. Und weil er gerade dort ist, hat er eine Einladung zum offiziellen Treffen der Bürgermeister von Rom, Paris, Wien und Maputo (Mosambik) am 3. Mai. Thema: "Bekämpfung von Armut und Hunger."

Einen ungewöhnlichen Ausflug hat auch der Senat vor. Am 15. Mai tagt er in Hamburg, und zwar zusammen mit dem Senat der Hansestadt. Das haben Eberhard Diepgen (CDU) und Ortwin Runde so verabredet. Schwarz-Rot trifft Rot-Grün. Wieso eigentlich? Na, Erfahrungsaustausch eben, allerlei Abstimmung und Kooperation in Verkehrs-, Wirtschafts-, Kultur- und Bildungsfragen. Zusammenarbeit im fairen Wettbewerb heißt die Zauberformel; aber über die ist wohl ein offenes Wort zu reden. Die Hamburger sind nämlich gar nicht amüsiert, dass mehrere Multimedia-Unternehmen von der Alster an die Spree umgezogen sind. Obendrein plant auch der weltgrößte Musikkonzern "Universal" seinen Umzug für 2002. Aber Rundes Justizsenatorin Lore Maria Peschel-Gutzeit wird im Doppelsenat schon ihren Charme spielen lassen. Sie freut sich garantiert über den Besuch der guten alten Bekannten aus ihrer Berliner Zeit als Justizsenatorin. Ob sie von allen wiedererkannt wird? Früher war sie üppig wie Juno, jetzt ist die 68-Jährige schlank wie eine Birke im Frühling. Warum? "Ich habe eines Tages beschlossen, nicht mehr so viel wie möglich, sondern so wenig wie möglich zu essen."

Hochspannung herrschte in der Grünen-Fraktion, denn Ludwig ließ auf sich warten. Wer ist Ludwig? Na, Ludwig, das Kind, das dritte der Abgeordneten Jeanette Martins, geboren dieser Tage. Nur kann Mutter Martins nicht, wie erhofft, gleich dabei sein, wenn es in der Politik nach der langen Osterpause wieder richtig rund geht. Der Sohn bestimmt die Planung. Die Fraktionsassistentinnen Sabine Bangert und Ann Hirschmann trösteten sie mit einem Gratulationsreim: "Der Ludewig, der Ludewig soll freuen Dich ganz fürchterlich!"

Lange galt er als hoffnungsvoller Nachwuchspolitiker, aber damit ist es für den Wirtschaftssenator vorbei; Wolfgang Branoner wurde 45. Seine engsten Mitarbeiter brachten es ihm mit freundlichen Gemeinheiten zum Geburtstag nahe. Sie verehrten ihm einen schicken Kulturbeutel. Den Inhalt zählt sein Pressesprecher Claus Guggenberger gerne auf: ein Haarwuchsmittel, eine Babybürste für den schütteren Flaum, Antifaltenmaske, ein herzstärkendes Mittel, Haftcreme für die dritten Zähne (rein vorsorglich). Branoner nahm es, wie es gemeint war: mit Humor.

0 Kommentare

Neuester Kommentar