Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Es geht doch nichts über eine große, bunte Politik-Familie. Um die Stunde, da CDU-Wahlkämpfer Frank Steffel die Spitzenmanager Lothar Späth (Jenoptik), Horst Teltschik (BMW), Manfred Gentz (Daimler-Chryler) und Alba-Chef Eric Schweitzer als seine Wirtschaftsberater vorstellte, hörte der Senat in Klausur Spitzenvertreter von Unternehmen und Verbänden an. Das Gebäudemanagement für die Senatsverwaltungen soll ganz neu organisiert, viel Geld eingespart werden. Einen begrüßte der regierende SPD-Wahlkämpfer Klaus Wowereit besonders fröhlich mit den Worten: "Die Beratungskompetenz muss ja aufgeteilt werden." Es war Eric Schweitzers Bruder Alex von Alba Facility and Services. Der nickte: "Sie sehen, wir teilen uns in der Familie auf. Wir sind nach allen Seiten offen." So isses. Auch ein gewesener Senator war als Ratgeber da: Walter Rasch vom Verband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Er war von 1975 bis 1981 Schulsenator im SPD/FDP-Senat von Klaus Schütz und Dietrich Stobbe, danach FDP-Chef, immerhin.

Bei Müllers war Geburtstag. Vater Jürgen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD, bat zum 60. Familie und Freunde zum Festschmaus am Pariser Platz. Auch Genosse Wowereit fuhr als "Überraschungsgratulant" beim Restaurant vorbei, doch die Hauptperson war nicht da. Sohn Michael, SPD-Fraktionschef, ließ den Vater am Brandenburger Tor suchen, denn die Besteigung desselben war das Vorprogramm des Abends. Man sprach einen vermeintlichen Torwächter an, der prompt die Treppen hoch lief, den Jubilar mit Gästen auf der Quadriga fand und schmunzelnd ausrichtete: "Unten wartet eine wichtige Person auf Sie." Müller Senior war verblüfft; vor ihm stand Lothar de Maiziere (CDU) vom Vorstand der Stiftung Denkmalschutz für die Restaurierung des Wahrzeichens, der letzte DDR-Ministerpräsident. Inzwischen gab Wowereit mit Lust Autogramme. Die erste, die eins haben wollte, war die Müllersche Mutter, Oma und Uroma, obwohl ihr doch als CDU-Frau die ganze SPD-Richtung nicht passt. Das erfuhr nun auch der zweite Überraschungsgratulant de Maiziere, der wie Wowereit auf ein Glas Sekt blieb.

Recht offiziell fiel dagegen die Berliner Party zum 50. Geburstag der EU-Kommissarin Michaele Schreyer (Grüne) aus. Bundesministerin Renate Künast, früher wie Frau Schreyer Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus, überbrachte die Grüße der Bundesregierung, der Regierende die Grüße des Senats. Als Frau Schreyer ihre Gäste willkommen hieß, meinte sie zu Wowereit: "Wir haben ja schon viele Nächte zusammen verbracht." Der scherzte gerne mit: "Aber nicht verraten, was wir da gemacht haben." Weiß doch jeder. Sie zogen im Hauptausschuss an der ewig zu kurzen Finanzdecke, manchmal eben bis in die Puppen.

Vier Tage Entspannung wollte die PDS-Abgeordnete Jutta Matuschek auf Usedom genießen, doch der Kurzurlaub verlief reichlich enervierend. Das hatte mit ihrer Fahrt mit der Usedomer Bäderbahn zu tun. Kurz hinter Bansin gab es einen Knall, die Fensterscheibe splitterte. Wie sich herausstellte, war es ein Schuss. Frau Matuschek und ihr 14-jähriger Sohn Clemens kamen mit dem Schrecken davon. "Mama, woher wissen die denn, dass du hier bist?", fragte Clemens ängstlich. Sie konnte ihn beruhigen. Auf den Zug wurde nicht zum ersten Mal geballert, wie die Kripo weiß, die gegen Unbekannt ermittelt.

In Werneuchen nordöstlich von Berlin hat der Wahlkampf nichts zu suchen. Trotzdem verschlug es die vier Senatorinnen frühmorgens in die verschlafene ländliche Idylle. Eigentlich wollten Gabriele Schöttler, Juliane Freifrau von Friesen, Adrienne Goehler und Christiane Krajewski in Buch in der Dämmerstunde zur Ballonfahrt starten. Aber da stand der Wind ungünstig; die Ballons wären nach Berlin geweht worden, was nicht sein darf. Also wichen sie zum alten Fliegerhorst Werneuchen aus. Es soll ein wunderbar stiller Flug über weite Felder und Wälder gewesen sein. Mit dem Ausflug aber hatte es so seine Bewandnis. Frauensenatorin Schöttler hatte zum Frauentag im März "Frauen bewegen Berlin" gestartet. Ein Jahr lang werden 15 verdienstvolle historische und höchst lebendige Frauen plakatiert, um sie ins öffentliche Bewusstsein zu heben. Dass auch die Ballonfahrerin Katharina Paulus (1868 bis 1935) unter den Geehrten ist, rief Ballon- und Philatelistenverbände auf den Plan. So kam Frau Schöttler zu der Einladung; sie zog die Kolleginnen mit. Alle vier zahlten aber, Ehrensache, ihren Eigenanteil selbst.

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