Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Alles drängt nun zum Abschluss der Koalitionsvereinbarung, damit die Ampel geschaltet und der Senat gewählt werden kann. Der rot-grüne Übergangssenat zeigt ja schon erste Auflösungserscheinungen. Gleich zwei von den Grünen, wenn auch aus der zweiten Reihe, kamen zu Beginn der neuen parlamentarischen Wahlperiode am Donnerstag abhanden. Alice Ströver schied pünktlich zur Konstituierung des Abgeordnetenhauses als Staatssekretärin bei Kultursenatorin Adrienne Goehler aus und nahm als Abgeordnete im Plenarsaal Platz. Man weiß ja nicht, ob Frau Goehler bleibt. Wenn ja, kann Frau Ströver immer noch auf ihr Mandat verzichten und wieder Staatssekretärin werden. Aber vorläufig ist der Spatz in der Hand mehr als die Taube auf dem Dach. Für Albert Eckert endete am Donnerstag vertragsgemäß sein Übergangsjob als stellvertretender Senatssprecher. Seit gestern ist er wieder Chef der Öffentlichkeitsarbeit bei der Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen.

Rote Rosen regnete es zur Konstituierung, mit allen guten Wünschen für erfolgreiches Wirken und gute Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg. Doch nur das knappe Drittel der Frauen unter den 141 Abgeordneten wurde so herzlich fürsorglich empfangen, und auch nur inoffiziell. Diese Überraschung hatte sich Ulrike Neumann ausgedacht, die frauenpolitische Sprecherin der SPD und Chefin der fraktionsinternen Gleichstellungsstelle. Was heißt Gleichstellung, wenn bevorzugt wird? Doch lassen wir das. Alle Jahre vergibt das Neumannsche Team den Chauvi-Preis an einen Mann, der nicht im Sinne der Frauen spurt. Günter Rexrodt wurde auch schon damit beehrt. Da war der FDP-Boss noch Bundeswirtschaftsminister. Wie sich die Zeiten ändern: Jetzt ist Rexrodt als ein Garant der Ampel-Koalition nicht nur Männern willkommen.

Wirkungsvoll überreichte auch Kavalier Klaus Wowereit Blumen, zartrosa Lilien für die scheidende Wirtschaftssenatorin Juliane Freifrau von Friesen auf der Senatsbank; sie hatte Geburtstag. Da drängte es den CDU-Fraktionschef Frank Steffel ebenfalls zur formvollendeten Gratulation. Impulsiv wie er ist, griff er sich den CDU-Strauß, der für Unionsfreund Christoph Stölzl zur Wahl als Parlamentsvizepräsident bereitlag, zupfte bedenkenlos eine schöne rote Gerbera heraus und schenkte sie der Freifrau. Frau Stölzl beobachtete das von der Zuschauertribüne aus, stieg herab und las Steffel die Leviten - na, so im Scherz.

Offiziell leitet SPD-Chef Peter Strieder die Koalitionsverhandlungen, denn die sind ja Sache der Parteien. Der Regierende sitzt natürlich neben Strieder, und jeder weiß, dass sie mit einer Zunge sprechen. Neulich richteten sich in großer Verhandlungsrunde drei Dutzend staunende Augenpaare auf das Duo an der Tete, denn Strieder und Wowereit trugen die gleichen blauweiß gemusterten Oberhemden. Da rauchten gerade die Köpfe wegen der Sparpolitik. Und so witzelte Justizsenator Wolfgang Wieland von den Grünen: "Was denn, kauft Ihr jetzt schon Eure Hemden im preiswerten Doppelpack?" Alle Augenpaare bekamen Lachfältchen. Wie pflegt Strieder zu sagen? "Die Atmosphäre ist selbst bei den härtesten Dreiecksverhandlungen immer noch besser als mit der CDU." So viel zu den ewigen Kabbeleien zwischen FDP und Grünen.

Trotzdem beharrt die PDS darauf, dass ihr Fraktionsgeschäftsführer Uwe Doering in dieser Woche den anstrengendsten Job hatte. Das hatte mit dem stressigen Feilschen um die Raumverteilung für die nunmehr fünf Fraktionen im Preußischen Landtag zu tun. Die geschrumpfte CDU musste viel abgeben und das ganze Terrain neu arrondiert werden, weil die FDP da ist. Die PDS bekam zwar drei Zimmerchen hinzu, musste aber bei den Parkplätzen auf dem Hof bluten. Früher ging es zu Beginn jeder Wahlperiode nach dem Windhund-Verfahren. Da war die PDS 1999 fix und sicherte sich 17 von 50. Jetzt aber wurden die Autoplätze wie die Räume nach dem Stärkeverhältnis der Fraktionen aufgeteilt: SPD 16, CDU 13, PDS 12, FDP fünf, Grüne vier.

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