Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Was liebt Klaus Wowereit über alles? Das Repräsentieren. Egal, ob mit oder ohne protokollarischem Gepränge. Gleich zwei Mal fuhr der Regierende zum Neujahrsempfang von Bundespräsident Johannes Rau vor dem Schloss Bellevue vor - einmal ohne, einmal mit Stander. Berlin ist der Sitz des Staatsoberhauptes, und deshalb war Wowereit als Stadtoberhaupt der Erste, der Rau mit Neujahrsglückwünschen die Hand schütteln durfte. Dann waren die Spitzen der Parteien und das Bundeskabinett dran. Wowereit machte also kehrt und fuhr eine Stunde später wieder vor, diesmal als Bundesratspräsident mit Stander - an der Spitze der Ministerpräsidenten. Die zweite Begrüßung zwischen ihm und Johannes Rau soll ungeachtet der Protokollregeln sehr locker und heiter gewesen sein.

Überall ist nun die Zeit der guten Neujahrswünsche. Zum Dreikönigstag erschienen 20 Sternsinger vom Kindermissionswerk im Roten Rathaus mit einem Lied vom Stern von Betlehem. Der Chef der Senatskanzlei, André Schmitz, empfing sie, plauderte mit ihnen und bedankte sich mit Keksen. An die Tür zum Senatssitzungssaal schrieben die Sternsinger - ein alter Brauch - mit Kreide den Segen: C + M + B + 02. Heißt: Christus Mansionem Benedicat (Christus, segne dieses Haus). Landläufig werden die Zeichen allerdings einfacher interpretiert: Caspar, Melchior und Balthasar, die Heiligen Drei Könige, sollen für 2002 Glück bringen. Kaum waren die Sternsinger wieder weg, kamen dienstbare Geister mit Putzlappen. Schmitz konnte sie gerade noch vom Reinemachen abhalten: "Nicht wegwischen, das bleibt dran!" Na gut, selbst unter Rot-Rot sollen christliche Symbole ihren Wert haben und die Senatssitzungen unter einem guten Stern stehen.

Die vorletzte Sitzung des rot-grünen Senats war wohl die kürzeste. Sie dauerte ganze neun Minuten, Neujahrswünsche inbegriffen. "Da wir vor einem Jahr noch nicht ahnten, was alles passiert", sprach Wowereit, "sage ich jetzt: Wer weiß, was dieses Jahr noch alles passiert." Richtig, da soll er mal aufpassen. Doch nach der 33. und letzten Senatssitzung der rot-grünen Episode will der Regierende am Dienstag, zwei Tage vor der Wahl des rot-roten Senats, alle noch einmal bei einem kleinen Umtrunk streicheln. "Freundschaftliches Auseinandergehen" nennt man das. Ach, nur nach außen. Christiane Krajewski (SPD) flüchtet nach Hause ins Saarland. Die Grünen-Senatoren Wolfgang Wieland, Adrienne Goehler und Juliane Freifrau von Friesen wären gern geblieben, und auch Gabriele Schöttler (SPD) bekommt ihren Zwangsabschied.

Seit zwei Monaten erst ist Walter Momper Parlamentspräsident, und schon hat er Ärger mit der CDU-Opposition. Na schön, Momper war für die Union immer ein rotes Tuch. Doch andererseits gingen mit ihm immer leicht die Pferde durch. Hatte er nicht nach seiner Wahl versprochen, für alle da zu sein, eine übergeordnete Instanz? Jetzt hat sich SPD-Momper im Gegensatz zu anderen öffentlich gefreut, dass der PDS-Star Gregor Gysi Wirtschaftssenator wird, denn der sei ein "großer Kommunikator", wie man ihn brauche, um Investoren anzulocken. Prompt forderte die CDU den Rücktritt des Parlamentspräsidenten. Aber noch muss Momper das nicht so ernst nehmen; es war nur der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Frank Henkel. Noch ist die Wahlperiode nicht in Fahrt, und noch hat sich die CDU selbst nicht gefangen.

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