Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Im Vorzimmer des Regierenden Bürgermeisters ging ein Anruf aus Bayern ein: "Hier ist Edmund Stoiber." Er wurde auch an der Stimme erkannt und sofort freundlichst zum Regierenden durchgestellt. Das Anliegen: Er bat Klaus Wowereit über den kurzen kollegialen Draht vertrauensvoll um Rat, wie er zusätzlich Berliner werden könne. So eine absurde Frage vom CSU- und Regierungschef persönlich? Wowereit fiel ihm ins Wort: "Wat sind Sie denn fürn Sender?" Damit ließ sich der Stimmenimitator enttarnen. Er hatte im Auftrag des Bayerischen Rundfunks angerufen - für die Reihe Scherzfragen an Prominente in Bayern drei.

Laut Senatsbeschluss vom 22. Januar ist der gewesene Senatssprecher Helmut Lölhöffel (58, SPD) jetzt Sprecher von Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert (SPD). Ist er aber nicht - kein Stuhl da. Den des Senatssprechers hat Michael Donnermeyer (SPD) besetzt. Für die Justizsenatorin spricht noch Rolf Steltner, bis er wieder einen Stuhl bei der Staatsanwaltschaft hat. Das Schubertsche Bürgermeisterbüro leitet noch Friedemann Walter, bis er seinen Stuhl im Wowereitschen Redenschreiber-Büro bekommt. Herr Lölhöffel sitzt zu Hause und wartet, denn die Senatskanzlei hat nichts für ihn zu tun. Vor einem Jahr ließ sich der hochangesehene Journalist Lölhöffel als Vize-Senatssprecher anheuern und half damit der SPD aus der Klemme. Am 16. Juni rückte er im Übergangssenat Wowereit zum Senatssprecher auf. Ohne Anhebung seiner Bezüge, die nun - so viel weiß Lölhöffel immerhin - weniger werden. Und was lehrt die Geschichte? Dass man mit Beschlüssen, bei deren Umsetzung es so klemmt, zwischen allen Stühlen sitzt.

Zum Glück für die PDS ist der Stuhl des Donnermeyer-Stellvertreters frei. Günter Kolodziej, bisher PDS-Fraktionssprecher hätte schon darauf Platz nehmen können, doch über die Aufgabe wird noch mit der Senatskanzlei hin und her geredet. Laut PDS soll Genosse Kolodziej nur "Aufpasser und Frühstücksdirektor" nach dem üblichen Motto werden: Der Sprecher spricht, der Stellvertreter tritt auf der Stelle. Na, Donnermeyer weiß auch, was Macht ist. Doch eines hat sich gefügt: Kolodziejs Lebensgefährtin Roswitha Steinbrenner, bisher Sprecherin des PDS-Bundestagsfraktion und Betreuerin von Gregor Gysi im Wahlkampf, spricht nun für Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS). "Das erleichtert sicher die Abstimmung", sagt Kolodziej. Gewiss doch.

Aller Anfang ist schwer, vor allem für die zugereisten neuen Senatoren. Heidi Knake-Werner muss ganz schön im Stress sein. Neulich wollte sie ihre Wäsche aus der Wäscherei abholen, fand aber den Zettel nicht mehr und konnte sich auch partout nicht an das Geschäft entsinnen. Erst nach längerem Studium des Branchen-Telefonbuches und etlichen Telefonaten war sie an der richtigen Adresse. Nun wollte sie die Sache auch gleich erledigen. Da fand sie das Auto in ihrer Wohnstraße nicht. Wieder keine Erinnerung oder Diebstahl? Sie rief den Ehemann an: "Harald, das Auto ist weg!" Er konnte sie beruhigen: "Nee, das Auto habe ich. Ich denke, du brauchst als Senatorin keinen Privatwagen mehr."

Zum Geburtstag bekommen alle Abgeordneten immer einen freundlichen Gratulationsbrief des Parlamentspräsidenten. Darüber freute sich auch die neue Grünen-Abgeordnete Felicitas Kubala (46), war aber doch etwas irritiert. "Liebe Felicitas", schrieb Walter Momper handschriftlich, dann folgte der getippte Text mit der Sie-Anrede. Wieder handschriftlich verblieb der Präsident mit freundlichen Grüßen "Dein Walter Momper". Frau Kubala ist aber mit Momper gar nicht per Du, sie kennt ihn kaum. Das fröhliche Rätselraten in der Fraktionsklausur der Grünen beendete Fraktionssprecher Matthias Tang mit messerscharfer Logik: "Der Momper wird dich mit seiner Genossin Felicitas verwechselt haben." Felicitas Tesch ist bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Ja, bei Unterschriften muss man aufpassen.

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