Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Zäh ist der Kampf um den CDU-Landesvorsitz, den Eberhard Diepgen im Mai abgeben will, nach achtzehneinhalb Jahren. Fraktionschef Frank Steffel strampelt mächtig. Seine Widersacher und der von ihnen favorisierte Ex-Senator Volker Hassemer trauen sich nicht aus der Deckung. Inzwischen hat sich Steffel mokiert, dass sich Diepgen noch in die Tagespolitik einmischt. Diepgen wiederum hält sich in der Nachfolge-Frage bedeckt. "Ich weiß noch nicht, ob ich einen Personalvorschlag mache", meinte er am Donnerstag vor der Presse geheimnisvoll. Und dann mit erhöhter Lautstärke: Er werde nicht zulassen, dass der Fraktionschef beschädigt werde. Ironische Anmerkung aus der Presserunde: "Aber Herr Diepgen, Sie gehen ja mit Steffel viel netter um als der mit Ihnen!" Darauf Diepgen fröhlich: "Das hängt mit meiner Weisheit zusammen."

Aufs Allerliebenswürdigste gratulierte die Senatsrunde am Dienstag Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) zum 57. Geburtstag. Er möge "großzügiger" sein, rief Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) dem strengen Sparkommissar zu. Schon konterte er: "Nicht ich mache Geschenke." Eine nette Gabe bekam er jedoch von Schulsenator Klaus Böger (SPD), eingewickelt in altes Packpapier mit Strippe; man muss ja sparen. Es war ein Wandspruch aus dem Roten Rathaus von anno 1869 zur gefälligen Beachtung: "Das Geld, in Schulen angelegt, die allerhöchsten Zinsen trägt. Der Groschen für der Schule Macht wird auch als Taler heimgebracht." Ja, 1869 rechnete man in Preußen noch mit Groschen und Talern. Doch das nur nebenbei. Der Spruch hing bisher im Böger-Büro an der Wand. Sarrazin soll sich freundlichst bedankt und versprochen haben, den Vers bei sich aufzuhängen. Die Verschonung des Böger-Ressorts versprach er nicht.

Von Gregor Gysi hört man nicht mehr viel, seit er Wirtschaftssenator und Bürgermeister ist. "Er fühlt sich seit dem Seitenwechsel vom Parlament zur Regierung tierisch unter Druck, von Fremdbestimmung und Aktenbergen überrollt", meinen Sozialdemokraten. Gysis Getreuen fällt seine neue Argumentationslinie auf: "Mein Haus sagt..." Günter Kolodziej, der am Montag als stellvertretender Senatssprecher antritt, weiß auch, dass Herr Gysi nun immerfort "im Terminstress" ist: "Er studiert nicht gerne Akten, aber er er bereitet sich auf alles akribisch vor." Na also. Wie sagte Karl Marx? "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."

Neue Moden führt Parlamentspräsident Walter Momper ein. In der turnusmäßigen Runde mit den Fraktionsgeschäftsführern Christin Gaebler (SPD), Uwe Goetze (CDU), Uwe Doering (PDS), Thomas Schotten (FDP) und Reiner Felsberg (Grüne) standen Aschermittwoch statt der üblichen Kekse Äpfel auf dem Tisch: "Obst ist gesund". Damit stieß Momper nicht auf Begeisterung - und orderte lächelnd bei seiner Sekretärin Pfannkuchen. Als diese hereingetragen wurden, hellten sich die Mienen sichtlich auf. Nur Vizepräsident Christoph Stölzl verzichtete; er hielt sich an die gesunde Erfrischung. Nach dem Verzehr der Pfannkuchen bissen auch die anderen höflich in die sauren Äpfel.

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