Berlin : Hinter den Kulissen

Brigitte Grunert

Die bunt bemalten Berliner Wappentiere, die überall auf den Geschäftsstraßen herumstehen, hatten es dem kanadischen Premierminister Jean Chretien angetan, als er neulich zur Grundsteinlegung für die Kanadische Botschaft in Berlin war. Sie weckten seine Assoziationen an die Grisly-Bären in den heimatlichen Wäldern. Also Chretien bedeutete dem Regierenden Bürgermeister seinen Wunsch nach so einem schönen Kunst-Bären. Na, wenn es weiter nichts ist. Diesen Wunsch kann Klaus Wowereit leichter erfüllen als alle anderen. So viel Geld für die Berlin-Werbung in Montreal wird er schon noch im leeren Stadtsäckel zusammenkratzen. Protokollchef Christian Stocks hat nun die schöne diplomatische Aufgabe, den passenden Berliner Bären nach Kanada zu schicken. Vielleicht ersteigert er einen, oder er kauft einen Rohling, falls gewünscht, der von einem kanadischen Künstler bemalt werden kann.

Mit einem kleinen Empfang für Mitarbeiter und Politiker beging Parlamentspräsident Walter Momper am Donnerstag seinen 57. Geburtstag. Zwei Stunden vor Beginn der Abgeordnetenhaus-Sitzung mit der Regierungserklärung Wowereits gratulierten auch brav die Fraktionschefs Michael Müller (SPD), Harald Wolf (PDS) und Sibyll-Anka Klotz (Grüne) mit Blumen. Wowereit brachte Rotwein, den Momper gern trinkt. Von der CDU erschien Fraktionsgeschäftsführer Uwe Goetze mit Edel-Pralinen, edel mussten sie schon sein - in Respekt vor dem Präsidenten, wenn auch nicht vor Momper. Das originellste Geschenk aber überreichte FDP-Fraktionsgeschäftsführer Martin Lindner. In Anspielung auf den roten Schal, mit dem Momper als Regierender Bürgermeister 1989/90 Furore gemacht hatte, bekam er von Martin Lindner einen gelben Schal. Na also, er soll die FDP nicht vernachlässigen. Die Berliner Liedertafel brachte sogar ein besinnliches Ständchen: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten..."

In der Aktuellen Stunde zur Arbeitsmarktpolitik trat nach der Regierungserklärung auch der frühere Finanzsenator Peter Kurth ans Rednerpult. Er wurde mit einem frotzelnden Zwischenruf der Grünen-Fraktionschefin Klotz empfangen: "Ah, der neue arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU-Fraktion!" Der sensible Kurth parierte ironisch: "Ja, Sie sehen, man kann bei der CDU noch etwas werden." Den Zuhörern stockte der Atem. Na ja, ein Steffel-Mann ist Kurth nicht. Als es letzten Sommer um den Spitzenkandidaten der CDU für die Wahl ging, wollte er Wolfgang Schäuble den Vortritt lassen. Aber statt Schäuble stand plötzlich der CDU-Fraktionschef Frank Steffel an der Spitze. Und der hat nun den einstigen Nachwuchs-Hoffnungsträger der CDU als arbeitsmarktpolitischen Sprecher abgestellt.

Für jede Regierung und Verwaltung gibt es Spielregeln, für den Senat stehen sie seit eh und je in der Gemeinsamen Geschäftsordnung, Kürzel GGO. Die Neuen im Senat müssen sich nur jeweils mit dem Leitfaden vertraut machen, aber selbst alte Hasen schlagen manchmal nach. Die Sekretärin der Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) suchte jetzt verzweifelt herauszufinden, was das Kürzel HKW bedeutet, wurde aber selbst in der GGO nicht fündig. Die Senatorin klärte sie auf. HKW steht für Heidi Knake-Werner. So zeichnet sie Akten und Briefentwürfe ab.

Unter den schwarzen Senatslimousinen fällt eine aus dem Rahmen. Der Dienstwagen von Krista Tebbe, Kulturstaatssekretärin bei Thomas Flierl (PDS), ist grün. So also wirkt der Einfluss der Tebbe-Vorgängerin Alice Ströver (Grüne) nach. Die Abgeordnete Ströver war nur ein paar Monate Staatssekretärin bei Adrienne Goehler. Doch die Anschaffung des fälligen neuen Dienstwagens fiel nun mal in ihre Amtszeit. Klar, dass sie einen grünen wollte - den die "Rote" geerbt hat.

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