Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Sibyll Klotz rechnet für die Frauen, Günter Kolodziej liest lieber SibyllAnka Klotz, die grüne Fraktionschefin, meint es ernst mit der Frauenpolitik. Jetzt versucht die grüne Fraktionschefin, das „EWA“ zu retten. Das EWA war der erste Frauentreffpunkt in Ost- Berlin, Noch-Hauptstadt der Noch-DDR, entstanden in der Vorwendezeit, in der Sibyll Klotz Politik im Unabhängigen Frauenverband machte. Dem Projekt ging es wie anderen auch: Das Geld wurde immer weniger. Jetzt soll der Etat von 170000 Euro um 100000 Euro gekürzt werden. Sibyll Klotz und Mitstreiter in der Fraktion haben nun Etats durchforstet und eine Gegenrechnung aufgestellt. Aber das Ärgernis für die grüne Politikerin bleibt: „Wenn mir 1990 einer gesagt hätte, dass es nicht ein CDU-Rechtsaußen ist, der das EWA schließen will, sondern ein PDS-Frauensenator, hätte ich meinen Kopf untersuchen lassen“, sagt sie jetzt und gerät in Rage über das, was „ein Kerl“ namens Harald Wolf sich anmaßt.

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Anruf beim Senatssprecher: Wie war die Senatssitzung, Herr Kolodziej? Gab’s was für die Kulissen? – Hm. Nein. Nichts Besonderes. – Hat vielleicht jemand im Urlaub was Tolles vor? – Hmm. Gesundheitssenatorin Knake-Werner geht wieder klettern. – Hm. Ich weiß, dass sie klettert. – Ja. Sie benutzt das auch gern in ihren Reden. „Noch nicht über den Berg“. Oder: „Nur nach oben geht es weiter.“ – Aha. Das erinnert an „Wenn wir jetzt nicht weitergehen, schaffen wir es nie!“ – Nein, nicht ganz so dramatisch. Was Sie sagen, ist ja eher Todeszone am Everest. – Oh. Sind Sie auch Bergsteiger? – Nein. Ich habe da bloß ein paar Bücher drüber gelesen. – Auch dieses besonders spannende von Wie-heißt-er-noch? – Krakauer. – Genau. – Tolles Buch. Sehr spannend. Es gibt keinen größeren Luxus, als so etwas zu lesen und es dabei warm zu haben. Ich las es, als ich mit einer fiebrigen Erkältung im Bett lag. – Sie mögen also Faction, diese Sachbücher mit literarischen Zügen? Dann haben Sie bestimmt auch den „perfekten Sturm“ gelesen. – Klar. – Kennen Sie auch diesen Amerikaner, der beschrieben hat, wie ein Sturm Galveston da unten in Texas zerstört, Larson, Erik Larson? – Ja, kenne ich. – Von dem gibt es jetzt ein neues Buch. Über einen Serienmörder in Chicago im frühen 20. Jahrhundert. Meine Frau liest es gerade. Kennen Sie dieses Buch mit dem Hai, dessen Lebensgeschichte im Jahr 1916, glaube ich, beschrieben wird. An der Ostküste von Amerika? – Ja. Das habe ich aber noch nicht gelesen. – Lohnt sich sehr. Um den Hai herum erfährt man viel über Sport, das Schwimmen, wie die Leute damals Ferien machten. – Interessieren Sie sich für Mathematik? – Nee. Da bin ich traumatisiert. – Ich auch. Aber es gibt ein Buch, das sogar Mathematik-Traumatisierte fasziniert. Es handelt von einem Richter im, ich glaube, 17. Jahrhundert. Immer zwischen zwei Todesurteilen dachte er sich mathematische Probleme aus und schrieb an andere Gelehrte. Wenn er besonders sadistisch gestimmt war, gab er ein paar Tipps zur Lösung. – Aha. – Ja. Tolles Buch. An einer Aufgabe haben Gelehrte bis vor kurzem herumgeraten. Simon Singh heißt der Autor, „Fermats letzter Satz“. – Toller Tipp, danke. Schönen Tag noch. wvb.

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