Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Eine grüne Jubilarin will langlaufen und ein sozialistischer Christ hat Zuversicht C laudia Hämmerling ist der Natur verbunden. Sie liebt Katzen und Hunde, schwimmt und wandert gern, und seit 1999 joggt die GrünenAbgeordnete am nordöstlichen Stadtrand regelmäßig durchs Grüne. Seit ihrer Kindheit wohnt sie in Blankenburg. Schon 2001 lief Hämmerling zum ersten Mal den Berlin-Marathon mit und orientiert sich seitdem an den Wettkampfzeiten des CDU-Abgeordneten und Ex-Finanzsenators Peter Kurth, der auch ein passionierter Langstreckenläufer ist. Im vergangenen Jahr lag die Grünen-Politikerin mit 4:13:18 Stunden eineinhalb Minuten hinter Kurth zurück und landete auf Platz 18 396. Ob sie den kleinen Rückstand am nächsten Sonntag wettmachen kann, ist ungewiss. Denn Hämmerling feierte gestern Abend ihren 50. Geburtstag. Der Chor der Grünen-Fraktion sang der verkehrs- und hundepolitischen Sprecherin, die aus der DDR-Bürgerbewegung kommt, ein Lied frei nach Nina Hagen: „Du kannst den Kampfhund vergessen, Claudia …“ Die Auswirkungen der Party auf die Laufleistung der Jubilarin werden sich frühestens heute abschätzen lassen. za

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Groß und prächtig ist der Preußische Landtag. Für die halbstündigen Andachten vor den Plenarsitzungen allerdings nutzten die praktizierenden Christen unter den Abgeordneten den so genannten Multivisionsraum. Der dient dazu, den Besuchern des Parlaments dasselbe multivisonell näher zu bringen. Vor kurzem erfuhren die Abgeordneten, dass für die Andacht kein Platz mehr sei – die Parlamentsverwaltung will den Multivisionsraum voll und ganz für Besucher offen halten. Dagegen wandte sich die FDP-Abgeordnete Mieke Senftleben in einem Brief an Parlamentspräsident Walter Momper. Für die Andacht werde der Raum an maximal 18 Tagen des Jahres für je 30 Minuten gebraucht – das werde doch mit den Besucherinteressen zu vereinbaren sein, schrieb Senftleben – „wie bereits in den vergangenen Jahren“. Den Brief unterschrieben auch andere regelmäßige Besucher der Andacht, darunter der PDS-Abgeordnete Norbert Pewestorff . Das ist ein äußerst lakonisch-berlinischer 50 Jahre alter Langstreckenabgeordneter, der durch den Umgang mit seiner zweijährigen Tochter stetig jünger zu werden scheint. Zum Thema Christentum und Materialismus sagt Pewestorff, das sei kein Widerspruch. Was Mompers Umgang mit den Christen im Parlament anbelange – im alten Rom hätten sie unten in den Katakomben gebetet. Es gebe also noch Perspektiven. wvb.

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