Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Warum Wowereit auch bei Springer der neuen Rechtschreibung treu bleibt Rollen rückwärts und „Reformen der Reformen“ mag Berlins Regierender Bürgermeister gar nicht. Klaus Wowereit hat immer vehement die Rechtschreibreform verteidigt und „keinen Grund gesehen, die Einführung der neuen Rechtschreibung wieder aufzugeben“, wie er selbst sagte. Umso mehr hat es ihn gefreut, dass sich am Freitag alle Ministerpräsidenten darauf verständigt haben, an der Rechtschreibreform festzuhalten. Als Gastgeber der Konferenz muss Wowereit bei den kuscheligen Kamingesprächen in seinem Amtszimmer offensichtlich gute Überzeugungsarbeit geleistet haben. Nur, wie verfasst Berlins Regierender künftig selbst seine SonntagsKolumne im Springer-Blatt „Berliner Morgenpost“? In alter oder in neuer Rechtschreibung? Die Springer-Zeitung kehrte nämlich Anfang dieser Woche zu den alten Rechtschreibregeln zurück. Klaus Wowereit antwortete darauf sibyllinisch, er werde sich „mit den ihm zur Verfügung stehenden Kräften“ gegen die alte Rechtschreibung wehren. Die Senatskanzlei schreibe ja auch nach den neuen Regeln und somit auch er, der Regierende. Wie der Tagesspiegel erfuhr, gibt es jetzt ein Gentlemen’s Agreement mit dem Springer-Verlag: Wowereit darf weiter so schreiben, wie er will.

Es hat ein wenig gedauert, bis Petra Pau und Gesine Lötzsch nach ihrem Einzug in den Bundestag vor zwei Jahren zwei kleine Tischchen im Plenarsaal erhalten haben. Jetzt betreiben die beiden PDS-Politikerinnen „Politik am Katzentisch“, wie sie selbst sagen. Um es sich auf ihren Plätzen gemütlich zu machen, packen die Damen schon mal ab und zu einen mitgebrachten Picknickkorb aus. Petra Pau und Gesine Lötzsch haben es auch wirklich nicht leicht: Sie sind nur zu zweit und haben lediglich einen Status als Einzelabgeordnete. Einen von ihnen gestellten Antrag, als Gruppe anerkannt zu werden, hatte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse abschlägig beschieden. Jetzt bekamen die Politikerinnen Post vom Bundesverkehrsministerium. In dem Schreiben fragte man höflich an, wie hoch der „voraussichtliche Wohnungsbedarf für die Mitarbeiter Ihrer Fraktion“ sei. Dass Manfred Stolpe, SPD-Verkehrsminister und Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder, seine beiden ostdeutschen Kolleginnen jetzt sogar in den Rang einer Fraktion gehoben hat, finden Petra Pau und Gesine Lötzsch sehr solidarisch. Frau Pau ärgert sich nur, dass „der Stolpe mal zu spät kommt wie bei der Maut und mal zu früh kommt wie jetzt bei der Fraktion“. Die Bundestagswahlen seien ja erst 2006. Sehr optimistisch. Sabine Beikler

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