Berlin : HINTER DEN KULISSEN

-

Über unbekannte OsteuropaBeauftragte und sozialistische „Mohrenköppe“ Fünf Jahre war Wolfram O. Martinsen der Osteuropa-Beauftragte des Senats. Ein Ehrenamt, das der ehemalige Siemens-Manager zum Jahresende niederlegt. Auf eigenen Wunsch, wie es so schön heißt. Immerhin ist er 64 Jahre alt, will etwas kürzer treten und möglicherweise aus Berlin wegziehen. An einen ruhigen, erholsamen Ort. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat auch gar nicht versucht, den rührigen, wenn auch weithin unbekannten Senatsbeauftragten zu halten. Das Geld für einen Mitarbeiter und Reisespesen will der Senat ab 2005 gern einsparen, und in Berlin gibt es inzwischen viele Institutionen und Personen, die Kontakte mit Ost- und Mitteleuropa knüpfen. Wenn auch noch viel zu selten mit durchschlagendem Erfolg. Also: Martinsen wird, trotz gegenteiliger Gerüchte, in allen Ehren und mit warmen Worten aus dem Landesdienst verabschiedet. Der gelernte Elektrotechniker muss sich wahrhaftig nichts vorwerfen lassen. Er hat, früher schon bei „Partner für Berlin“, in der Industrie- und Handelskammer und im Aufsichtsrat der Wasserbetriebe, viel für die Stadt getan. Für ihn hörte der Osten auch nie in Polen auf, sondern in China und Südostasien. za

* * *

Der PDS-Kulturpolitiker Wolfgang Brauer ist für ungewöhnliche Vorschläge bekannt. Nachdem das Parlament Anfang 2003 einen Landeszuschuss von 900 000 Euro an das Tempodrom verweigert hatte, kam Brauer eine neue Nutzung des Kulturtempels in den Sinn. Statt Pleite zu gehen, könnte der Bau doch auch zum Aufführungsort kleiner Wanderzirkusse werden. So eine Manege müsste eigentlich in das runde Gebäude passen, sagte er damals. Weiter sinnierte er, das Liquidrom als Winterquartier für Seelöwen zu nutzen. Als aber Parteigenossen aus Mitte in dieser Woche die Umbenennung der Mohrenstraße in Nelson-Mandela-Straße forderten, war für Brauer Schluss mit lustig. Der historische Straßenname habe nichts mit Rassismus zu tun. Es fehle nur noch ein Boykottaufruf gegen „Sarotti-Schokolade“, deren Signet mit dem ehemaligen Firmen-Standort in besagter Mohrenstraße zu tun habe. Brauer sinnierte weiter: Er sei im sachsen-anhaltinischen Aschersleben geboren, wo man die Einheimischen wegen des Möhren-Anbaus gern als „Mohrenköppe“ bezeichnet. Da müssten sich doch jetzt einige PDS-Genossen fragen, „wie chauvinistisch die Gemüseanbautradition im Harz ist“. sib

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben