Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Alice Ströver bei der Queen und Thilo Sarrazin im armen Bremen Die GrünenAbgeordnete Alice Ströver steht nicht unter dringendem Verdacht, Royalistin zu sein, sondern trägt ihre strikt republikanische Gesinnung weit vor sich her. Über die Einladung der Britischen Botschaft für den Gala-Empfang der Queen am Mittwoch hat sich die ehemalige Kultur-Staatssekretärin trotzdem gefreut. Jeweils ein Vertreter der fünf Parlamentsfraktionen wurde eingeladen. Nach welchen Kriterien die Auswahl getroffen wurde, blieb ein Geheimnis der Botschaft. Aber dann kam der große Moment, als Alice Ströver der Königin Elisabeth II. artig die Hand geben durfte. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit stand daneben und stellte die Abgeordnete freundlich, aber recht besitzergreifend vor: „She’s a member of my parliament.“ Als Frau Ströver die kleine Begebenheit am nächsten Tag in ihrer Fraktion herumerzählte, haben alle herzlich gelacht. Ja, so kennen sie ihren Wowereit: „Alles meins“.

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Nach fast drei Jahren, die Thilo Sarrazin im Amt ist, können sich auch die letzten Zweifler von den Steherqualitäten des Finanzsenators überzeugen. Die drohende Klage vor dem Landgericht in Sachen Tempodrom hat offenbar keinen bleibenden Eindruck auf ihn hinterlassen. Und mit der Folge einer komplizierten Innenohr-Operation, einem beschädigten Gesichtsnerv, geht Sarrazin bei seinen öffentlichen Auftritten tapfer um. Seit dem Herbsturlaub ist der Senator wieder kaum zu bremsen. Er missioniert wie eh und je – mit Grafiken und Benchmarks. Vorzugsweise macht sich Sarrazin auf Veranstaltungen an Wirtschaftsleute heran. Selbst am 15. Jahrestag des Mauerfalls gönnt er sich im Quartier 110 eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Heute an morgen denken: Privatisierung, Sanierung und Beteiligungsmanagement.“ Eine Woche später ist er in der Hochschule Bremen zu Gast. Nach einem Grußwort von Ulrich Nußbaum, dem Finanzsenator der bettelarmen Hansestadt, will Sarrazin im Geist der Solidarität über die Haushaltsnotlage Bremens diskutieren. Auf dem Podium sitzt auch Bernd Huber, der den Bund in Karlsruhe mit Gutachten gegen Berlin munitioniert. Ulrich Zawatka-Gerlach

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