Berlin : HINTER DEN KULISSEN

-

Die Mauer in Brüssel und zwei Berliner Märchentanten Berlin lässt ihn nicht los. Der GrünenPolitiker Michael Cramer freut sich zwar jeden Tag, dass er nicht mehr im Abgeordnetenhaus, sondern im Europaparlament sitzt. Doch zum 15. Jahrestag des Mauerfalls organisierte der umtriebige Westfale (Wahlspruch: „Ohne Auto mobil“) in Brüssel rasch eine Ausstellung. Der Fotograf Peter Trzeciok, der mit der Kamera die Berliner Mauer seit den achtziger Jahren erkundet hatte, steuerte die Fotos bei. Der ehemalige Außenminister Polens, Bronislaw Geremek, sprach einleitende Worte. Auch Michaele Schreyer kam. Schließlich hatte die scheidende EU-Kommissarin, die Cramer noch aus gemeinsamer Arbeit in der Berliner Grünen-Fraktion kennt, schon im April ein echtes Stück Mauer enthüllt. Im Park Leopold an der Rue Wiertz in Brüssel. Einst stand das bunt bemalte Betonteil am Potsdamer Platz. Cramer war zufrieden. Seine Ausstellung in den Räumen des EU-Parlaments wurde viel beachtet. Für den streitlustigen Verkehrsexperten war die Mauer immer ein verabscheuungswürdiges Monstrum gewesen. Neun Radtouren entlang des ehemaligen Grenzzauns hat er in einem Buch beschrieben – damit die Erinnerung erfahrbar bleibt. za

* * *

Darauf haben sich Mieke Senftleben und Alice Ströver sehr gefreut: Kindern Geschichten zum Schmunzeln vorzulesen. Die beiden „Märchentanten“ bekamen eine Einladung anlässlich der Märchentage. Schnell einigten sich die FDP-Schulpolitikerin Senftleben und die Grünen-Kulturexpertin Ströver auf den Lesestoff: die Schildbürgerstreiche und die Lügenmärchen des Baron von Münchhausen. Noch vor der Märchenstunde am gestrigen Freitagabend im Abgeordnetenhaus amüsierten sich die Politikerinnen über die ausgesuchten Geschichten. Wie die Schildbürger ein Rathaus ohne Fenster bauen konnten, erinnere sie sehr an die Blackbox im Neubau der Akademie der Künste am Pariser Platz, sagt Frau Ströver: Für den technischen Ausbau des Medienraums fehlt nämlich das Geld. Die Verordnungswut der Verwaltungen wiederum sieht Frau Senftleben als Versinnbildlichung von Schilda. Und über die Geschichten des Lügenbarons sinnieren beide, dass so manche Politiker sich gern auf dem schmalen Grat zwischen Wahrheit und Unwahrheit bewegen. sib

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben