Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Ruderer, die im Auftrag des Parlaments Marathon laufen und Sozialdemokraten, die freiwillig einen Parteitag besuchen Er hat den Staffelstab des Parlaments ins Ziel getragen: der junge FDPAbgeordnete Christoph Meyer . Ein jungenhafter, netter Typ, der das zweite Jura-Staatsexamen noch nicht lange besitzt und im Hauptausschuss die äußerst liberale Haushaltspolitik seiner Fraktion wacker vertritt. Als ausdauernder Läufer war er bisher aber nicht aufgefallen. „Ich bin auch nicht Läufer, sondern Ruderer“, sagt Meyer. Und er spielt ab und zu in der Fußballmannschaft des Landesparlaments. Doch als die Kollegen ihn ansprachen, sagte er spontan zu. Im gemischten Team des Abgeordnetenhauses, das zum ersten Mal am traditionsreichen Berliner Marathon-Staffellauf des SCC teilnahm, durfte er am Volkstrauertag sogar Schlussläufer sein. Parlamentspräsident Walter Momper (SPD), der am Eichkamp in Charlottenburg den Startschuss abgab, eröffnete die Plenarsitzung am Donnerstag mit einer kurzen Laudatio auf das parlamentarische Läuferquintett. Claudia Hämmerling (Grüne), Jürgen Radebold (SPD), Gabriele Hiller (SPD), Peter Kurth (CDU) und Meyer hätten einen achtbaren 337. Platz unter 633 Marathonstaffeln errungen. Noch vor den Brandenburger Roadrunnern. „Das sind doch große Leistungen“, lobte Momper.

Parteitage sind in der Regel eine selbstquälerische Angelegenheit. Zuallererst für die Delegierten, die zum Beispiel Gefahr laufen, die Sportschau am Sonnabend zu verpassen, nur weil die Antragsbücher nicht rechtzeitig abgearbeitet wurden. Gäste werden auch immer herzlich begrüßt; aber es kommen immer nur ein paar und sie gehen meistens vor dem Schlusswort. Umso mehr hat der SPDLandeschef Michael Müller gestaunt, als er die Berliner SPD-Mitglieder in einem zweiseitigen Rundbrief einlud, am Landesparteitag am 4. Dezember teilzunehmen. Über 700 Genossen meldeten sich bisher schriftlich zurück. Ja, sie würden gerne kommen. Jetzt haben die Organisatoren ein großes logistisches Problem. Aus dem SPD-Landesparteitag droht eine Mitgliedervollversammlung zu werden, und das Congress Center am Alexanderplatz ist für solche Massenveranstaltungen eigentlich nicht vorbereitet. Deshalb wird auf den Fluren vor dem Tagungssaal eine Großbildleinwand aufgestellt, damit alle das Geschehen gut verfolgen können. Immerhin hält Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement die Eröffnungsrede. Es geht, wie könnte es anders sein, um Hartz IV. Ulrich Zawatka-Gerlach

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