Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Traumfänger für Thilo Sarrazin und ReklameVerbot im Abgeordnetenhaus Er ist ein harter Bursche, der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Als Verkünder schlechter Nachrichten, wie der Einschnitte im Haushalt oder Gebührenerhöhungen für Kitas, bekommt er viel Schelte. Doch Sarrazin ist ein Stoiker, ein Stehauf-Mann, der öffentliche Kritik aushält. Am Sonnabend wird der SPD-Politiker sechzig Jahre alt und feiert seinen Geburtstag mit rund hundert Gästen. Was ihm Senatskollegen und Parteifreunde schenken werden, wird größtenteils nicht verraten. Nur so viel: Sarrazin ist für seine Sparsamkeit beim Schuhe kaufen bekannt. Die Altertümlichkeit seines Schuhwerks finden manche Kollegen dann doch ein wenig übertrieben . . . Ohne Groll gratulieren ihm auch die Oppositionspolitiker. Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann wünscht ihm viel Glück und Segen. Sarrazin möge sich seinen Humor erhalten, auch wenn er „manchmal schwer auszuhalten“ sei. „Er soll so bleiben wie er ist“, sagt FDP-Fraktionschef Martin Lindner. In Sachen Privatisierung landeseigener Unternehmen sei Sarrazin ohnehin „oft auf FDP-Linie“. Die CDU hat sich angesichts der „albtraumhaften Verschuldung“ des Landes, so Fraktionssprecher Michael Thiedemann, ein nettes Geschenk ausgedacht und wird Sarrazin einen afrikanischen „Traumfänger“, eine Art afrikanisches Mobile aus Holz, Schnüren und Federn, überreichen. Den „Traumfänger“ könnte Sarrazin in seinem Arbeitszimmer neben die inzwischen von A4 auf A3 vergrößerten Folien über Berlins Finanzsituation an die Wand hängen.

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Zu den Pflichten eines Parlamentspräsidenten gehört hin und wieder auch eine spontane Inspektion seines Hauses. So marschierte Walter Momper nebst Gefolge in dieser Woche durch die Gänge des Abgeordnetenhauses – und monierte vor allem bei den Grünen. Politische Plakate oder Demo-Fotos von Abgeordneten an den Türen mag Momper nicht. In einem öffentlichen Verwaltungsgebäude sei Parteienreklame nicht erwünscht, sagt sein Sprecher Lutz-Rainer Düsing. Man befinde sich ja nicht in einem Studentenwohnheim. Gegen neutrale Schilder mit Hinweisen auf die Fraktionsräume habe man aber nichts einzuwenden. Für die Grünen-Umweltpolitikerin Felicitas Kubala fand Walter Momper immerhin lobende Worte: An ihrer Bürotür war nicht ein einziger Hinweis auf ihre politische Arbeit. Es komme ja wohl nicht auf die Verpackung, sondern auf den Inhalt der Arbeit an, meinte Momper. Da hat er Recht. Sabine Beikler

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