Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Ein ausgezeichneter Finanzsenator, geheime Zirkel und „Flierlosophie“ Alles hat seinen Preis, auch die Sparpolitik. Am Donnerstag, im Rathaus Schöneberg, wurde dem Finanzsenator Thilo Sarrazin der „National Leadership Award“ verliehen. Für die Sanierung der Staatsfinanzen, um die sich der Sozialdemokrat in Berlin seit drei Jahren hartnäckig bemüht, wurde er vom Economic Forum Deutschland geehrt. Der Gründer des Forums, Paul G. Dolan, stammt aus New York und kümmert sich seit 20 Jahren um den engen Austausch zwischen Politik und Wirtschaft. In den vergangenen beiden Jahren waren umtriebige Meinungsführer der CDU, Wolfgang Schäuble und Friedrich Merz, die Preisträger. za

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Wer das Restaurant Borchardt am Gendarmenmarkt besucht, will gesehen werden. Als das Haus noch nicht ganz so bekannt war wie heute, trafen sich dort einmal Bundeskanzler Gerhard Schröder, der Abgeordnete Klaus Uwe Benneter und Walter Momper. Damit die Berliner Öffentlichkeit den Sinn des Treffens und die Bedeutung Mompers als Spitzenkandidat erkannte, wurde es parteiseitig als „Geheimtreffen“ dargestellt; zugleich steckte man den Termin einem Fotografen. Das Geheime wird ja erst dann bedeutsam, wenn es einer entdeckt. Vor ein paar Tagen wurden im Borchardt die CDU-Politiker Joachim Zeller und Nicolas Zimmer mit den FDP-Politikern Markus Löning und Martin Lindner gesehen – das bürgerliche Berlin endlich mal nicht zerstritten. Der sonstige Sinn der Sache? Kein Kommentar – es war doch ein Geheimtreffen. wvb.

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Mischt man kultivierte Intellektualität mit abgehobener Dialektik und einem Schuss leichten Autismus, kommt ein gefährlicher Cocktail heraus: PDS-Kultursenator Thomas Flierl . Als der promovierte Philosoph am Donnerstagabend im Pfefferberg über „Perspektiven durch Kultur. Berlin auf dem Weg zur Kulturhauptstadt“ sprechen sollte, mahnte er an, dass Kulturhauptstadt ein wenig „zentralistisch anmutet“. Besser wäre die Bezeichnung „Metropole mit hauptstädtischer Kultur“. Ah, ja. Dass es nicht weiterführe, „gesamtstädtische Kultureinrichtungen in Widerspruch zu dezentralen Angeboten zu stellen“, ist ja noch nachvollziehbar. Aber Flierls Plädoyer, ein „neues Verständnis für Kultur vor dem Hintergrund der Reproduktionsfähigkeit des Gemeinwesens“ entwickeln zu müssen, geht dann doch zu weit. Bevor der gelernte Marxist sich künftig vor Publikum mit dem „emanzipatorischen und sinnstiftenden Verhalten der Kultur“ befasst, sollte er einen Grundkurs in allgemein verständlicher Rhetorik belegen.sib

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