Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Walter Momper nominiert, Wolfgang Mleczkowski irritiert Der Bezirk Reinickendorf scheint ein gutes Pflaster für politische Familienunternehmen zu sein. Da werden die Parlamentsmandate offenbar gern auf dem Sofa ausgehandelt. Bei der CDU hat sich seit 1995 das Ehepaar SchultzeBerndt im Abgeordnetenhaus abgewechselt. Aber die SPD will nicht tatenlos zusehen. Mit dezenter Unterstützung des Parlamentspräsidenten Walter Momper soll dessen persönliche Referentin Beate Radschikowsky vom Kreisverband Reinickendorf für das Abgeordnetenhaus nominiert werden. Ihr Lebensgefährte Thomas Gaudszun, bis 1999 SPD-Abgeordneter, seitdem Stadtrat in Reinickendorf, kann ihr dafür sicher ein paar gute Tipps geben. Die potenzielle Volksvertreterin, noch ist die Sache nicht in Sack und Tüten, soll eine fleißige Vorsitzende der SPD-Abteilung in Borsigwalde sein. Trotzdem gibt es Genossen, die dieser Art der Kandidatenkür gewisse Bedenken entgegenbringen. Zumal die Reinickendorfer SPD-Abgeordnete Brigitte Lange dann sehr wahrscheinlich das Nachsehen hätte. Sie gehört aber zur seltenen Spezies von SPD-Parlamentariern, die wirklich was von Kulturpolitik verstehen.

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So eine Hochzeitsanzeige bekommt nicht jeder: Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Mleczkowski informierte über die Bild-Zeitung seine Fraktion von der bevorstehenden Hochzeit. Der 61 Jahre alte Politiker, der an Parkinson erkrankt ist, will Ende April einen jungen Mann namens Kis lebenspartnerschaftlich ehelichen. 28 mal 24 Zentimeter groß, mit Herzchen, großem Foto und rosarotem Blumenstrauß – so leuchtete es in der „Bild“-Zeitung Mleczkowskis Parteifeinden entgegen. Die Kollegen haben Mleczkowski schon länger nicht gesehen und wollen ihn aus der Fraktion ausschließen, weil er zu deren Arbeit seit Monaten nichts Gedeihliches mehr beigetragen hat. Dafür hat Mleczkowski dem mal sachlichen, mal polemisch-kampfeslustigen Image der FDP durch kleinere Zusammenstöße mit der Polizei ein paar tiefe Schrammen zugefügt. Und nun noch die individualistisch-liberale Besonderheit – die laut Bild „erste Homo-Ehe im Berliner Abgeordnetenhaus“. wvb.

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