Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Einbrecher beim FDPFraktionschef und Finanzbeamte auf dem Bolzplatz Er wohnt beschaulich in Zehlendorf: Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner . Normalerweise hat er einen guten Schlaf. Doch kürzlich weckte ihn vor der Dämmerung ein seltsames Geräusch und Lindner, obwohl nicht schreckhaft, dachte schon an Einbrecher. Aber weiter rührte sich nichts und so schlummerte der FDP-Politiker sanft in den Morgen hinein. Erst nach dem Aufstehen, auf der Treppe zum Erdgeschoss, löste sich das Rätsel auf. Lindner schaute einem Eichhörnchen in die haselnussbraunen Augen. Gefrühstückt hatte es schon. In der Küche stand noch der angefressene Schnittlauch. Da waren die Grenzen der Liberalität auch für den FDP-Mann erreicht. Er jagte das Hörnchen, was gar nicht einfach war, hinaus in den Garten.

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Fußball spielt Thilo Sarrazin nicht. Er geht nur zur Kieser-Rückenschule; das ist gut für den aufrechten Gang. Aber der Senator hat nichts dagegen, dass seine Finanzbeamten Fußball spielen. Seit Jahren gibt es ein beliebtes Turnier, für das die Oberfinanzdirektion (OFD) schon immer Dienstbefreiung gewährte. Ganztägig für die Spieler und ab 12 Uhr auch für die Bediensteten in der Steuerabteilung und den Finanzämtern, die sich am Mittwoch das Endspiel anschauen wollten. Dieses Jahr kam die befreiende Dienstanweisung direkt aus der Finanzverwaltung des Senats, denn die OFD ist aufgelöst. Der strenge Sarrazin hat von dieser großzügigen, motivationsfördernden Regelung allerdings erst im Nachhinein erfahren und überlegt jetzt, ob sie beibehalten werden kann. Einerseits muss er bedenken, dass Berlin der Gastgeber des nächsten Fußball-Bundesturniers der Finanzämter ist. Andererseits läuft er Gefahr, dass ihm die Kollegen am Montag genüsslich ein paar zusätzliche Stellen in den Finanzämtern streichen, wenn sich der Senat zur diesjährigen Sparklausur trifft. Fußball während der Dienstzeit – da muss es doch noch kleine Reserven geben. Ulrich Zawatka-Gerlach

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