Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Über die politische Angst vorm Zahnarzt und eine Anzeige gegen Martin Lindner Besuche beim Zahnarzt zögert GrünenPolitikerin Claudia Hämmerling „ziemlich lange“ hinaus, wie sie sagt. Das liegt aber nicht daran, dass Frau Hämmerling schlechte Zähne oder Angst vorm Zahnarzt hat. Nein, ihr Dentist spricht nur gerne mit ihr über politische Entwicklungen, die sie als Grüne mitverantworten muss. Als Andrea Fischer noch Grünen-Bundesgesundheitsministerin war, musste die Abgeordnete beim Zahnarzt für Änderungen im Gesundheitssystem herhalten. Vor kurzem „wagte“ sie sich wieder zum Dentisten. Als sie auf dem Behandlungsstuhl saß, begann der Zahnmediziner über die Planungen für die Französische Straße zu sprechen. Er wisse, dass sie als grüne Verkehrspolitikerin die Straße nicht ausbauen wolle. Das könne er gar nicht nachvollziehen. Bekanntlich ist es schwer, während einer Zahnarztbehandlung eine verständliche Kommunikation aufzubauen. In so einer Abhängigkeitssituation gebe sie auch keine Widerworte, sagt Hämmerling. Der Routinebesuch verlief ohne weitere Behandlung. Bis zum nächsten Mal.

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Der Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner fällt immer wieder durch provokante Forderungen auf. Um die 23 000 für die Bundestagswahl benötigten ehrenamtlichen Wahlhelfer zu bekommen, könnte man doch Hartz-IV-Empfänger einsetzen, schlug Lindner vor. Neben Rechten hätten sie auch Pflichten, begründete der Liberale seinen Vorschlag. Das wiederum findet Michael Maurer vom Bündnis gegen Sozialabbau im brandenburgischen Jüterbog „unverschämt“ und hat über die Internetwache der Berliner Polizei Anzeige gegen Lindner wegen Verdachts der Volksverhetzung gestellt. Hinter Lindners Worten würde eine abfällige Haltung gegenüber Arbeitslosen stecken. „Ich fühle mich diskriminiert. Und ich bin auch nicht faul“, sagt der arbeitslose Kunstglaser. Lindner wartet jetzt ab, ob die Anzeige verfolgt wird. Die Polizei prüft zurzeit den Sachverhalt. Sabine Beikler

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