Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Ein Stadtbad im Wahlkampf und ein Gedicht über Stoiber Der Wahlkampf, kurz und heftig, zerrt an den Nerven der Politiker. Jochen Esser , der FinanzGuru der Grünen, ist am Donnerstag sogar krank geworden. Dazu hat vielleicht eine Pressemeldung der Linkspartei beigetragen. Deren Abgeordneter Marian Krüger kolportierte nämlich, dass der Kollege Esser im Hauptausschuss die Sanierung des alten Stadtbades in der Oderberger Straße als „asozial und überflüssig“ abqualifiziert habe. Der Grünen-Politiker klebte an der Decke vor Ärger und Aufregung und beauftragte die Parlamentsverwaltung, ein Wortprotokoll der Sitzung vorzulegen. Er habe nachweislich gesagt, dass jeder, der die Senatsvorlage zum Sanierungsprojekt gelesen habe, zu dem Schluss kommen müsse, dass die Regierung selbst die Oderberger Straße für eine „völlig nutzlose und asoziale Veranstaltung“ halte. Das sei ein Unterschied. In den nächsten Tagen schicken die Grünen der Linkspartei einen gepfefferten Beschwerdebrief. Wie gesagt: Wahlkampf ist reine Nervensache, und das marode, doch von den Anwohnern innig geliebte Stadtbad liegt ausgerechnet im heiß umkämpften Wahlkreis Pankow. za

Zwischen dem CDU-Kreisverband Marzahn-Hellersdorf und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) entwickelt sich eine Art Hassliebe. Nach seinen Äußerungen über „Frustrierte“ in Ostdeutschland hatte Monika Grütters , die Berliner CDU-Spitzenkandidatin und Direktkandidatin in Marzahn-Hellersdorf, wie berichtet, Stoiber zu einem Besuch in ihrem Wahlkreis im Nordosten der Stadt eingeladen. Jetzt bekam sie Antwort aus der bayerischen Landeshauptstadt München. Der Ministerpräsident wolle „aus Zeitgründen erst nach der Wahl“ dem Berliner Ostteil einen Besuch abstatten, sagt Grütters. Dann kann sich Edmund Stoiber auch gleich über ein Gedicht freuen, das Gerhard Pagel aus dem Marzahner CDU-Kreisverband extra für ihn geschrieben hat. Eine Kostprobe daraus: „Ja wir Ossis, ohne Frage, sind verärgert dieser Tage, denn Herr Stoiber ist frustriert, und er hat uns angeschmiert. Er kann einfach nicht verwinden, dass wir zueinander finden, und er nicht der Häuptling wird. Ossis, nehmt es nicht so krumm, seine Worte waren dumm. Doch das müssen wir verstehen, denn auf diesen Alpenhöhn, bringt so manches mal der Föhn, biergestättigte Gedanken dahin, dass sie böse schwanken und dann reiner Blödsinn sind. Das weiß bei uns jedes Kind.“ Gespannt wartet nun der CDU-Kreisverband, ob die Münchner Staatskanzlei auf diese gelungene preußische Poesie nun auch mit netten bayerischen Reimen reagiert. Aber vielleicht tut das Herr Stoiber auch einfach nur als „Schmarrn“ ab. sib

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