Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Gregor kämpft wieder ohne Oskar, und eine grüne Blondine verwandelt sich So nett und devot hat Gregor Gysi seinen neuen Parteifreund Oskar Lafontaine auf großen Plakaten von der Seite angelächelt – und jetzt ist’s plötzlich aus mit der linken FotoLovestory. Bis zur Wahl werden die beiden Linkspolitiker nicht mehr das Traumpaar à la Bogart und Bergmann in „Casablanca“ geben, sondern schauen getrennt voneinander auf das Volk herunter: Gysi in Berlin und Ostdeutschland, Lafontaine in Westdeutschland. Die Scheidung der sozialistischen Alphatiere sei aber völlig „planmäßig“ abgelaufen, sagt Parteisprecher Hendrik Thalheim. Zehn Tage vor der Wahl sind die Plakate mit Gysi und Lafontaine abgehängt und durch je 2100 Plakate, die sie jeweils allein zeigen, ersetzt worden. Und warum? „Das Plakat mit beiden hat den Zweck erfüllt: Alle haben darüber gesprochen.“ Was die Linkspartei dabei ausblendet, sind die Reaktionen aus dem Osten: Dort haben sich PDS-Wähler sehr über die zur Schau gestellte Unterwürfigkeit von Gysi geärgert. Er sich übrigens auch. „Ich war zuerst entsetzt, danach fand ich es nicht mehr so schlimm“, sagt er. Um Plakate kümmere er sich nie. „Ich schau’ mir die erst an, wenn sie hängen.“ Nur die Texte darauf, die lasse er sich vorher zeigen. Wäre ja auch zu blöd, wenn vor der Parteikurzform „Linke“ gar das garstige Wort „Luxus“ prangen würde.

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Manche Menschen können sich so stark wandeln, dass sie selbst von Leuten, die sie jeden Tag zu Gesicht kriegen, auf den ersten Blick nicht mehr erkannt werden. So eine Metamorphose hat die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus durchgemacht. Die Zeitschrift „Glamour“ hatte mehrere junge Politikerinnen zu einem Fotoshooting gebeten. Der Hintergrund: Die Damen – darunter auch Eva Högl von der Berliner SPD – sprechen in dem Artikel über politische Ziele, und die Leserinnen sollen dann erraten, zu welcher Partei die betreffende Politikerin gehört. Frau Paus ist im braunen Nadelstreifenanzug abgebildet, geschminkt mit hochgesteckten blonden Haaren. Selbst Fraktionschefin Sibyll Klotz hat ihre Parteikollegin erst auf den zweiten Blick erkannt. Frau Paus trägt zwar normalerweise auch Hosen, als Allergikerin aber wenig Schminke. Nach diesem Überraschungseffekt freut sie sich nun über die, wie sie sagt, „Verwandlungsfähigkeit von Blondinen“. Sabine Beikler

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