Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Ein ewiger Parlamentarier tritt bald ab. Hans-Georg Lorenz (62), der seit Menschengedenken in Spandau lebt und als Rechtsanwalt arbeitet, will 2006 nicht mehr für das Abgeordnetenhaus kandidieren. Fast 27 Jahre hat er im Landesparlament für die SPD Politik gemacht, ist im Laufe der Jahre von der rechten Mitte ganz nach links gerückt. Fast wäre er einmal SPD-Fraktionschef geworden. Fast hätten sie ihn mal zum SPD-Landeschef gewählt. Viele Jahre war er im großen Bezirk Spandau ein mächtiger Kreisvorsitzender. Doch als Sprecher des hart-linken Donnerstagskreises hat es sich der widerborstige, knurrige Sozialdemokrat inzwischen mit fast allen Genossen verdorben. Dabei ist er eigentlich ein netter Kerl. Aber schwierig! Sein Lebensmotto: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Das hat er getan – und hört nun auf. za

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Ihre Gegner unterstellen der Linkspartei/PDS ja gerne, sie habe Nachholbedarf in Sachen Demokratie. In diesem Sinne will Klaus Lederer, designierter Landesvorsitzender der Linkspartei, seinen Eintritt in den Verein „Mehr Demokratie“ in der vergangenen Woche allerdings nicht verstanden wissen. Die überparteiliche Initiative, in der laut Lederer auch Politiker von SPD, Grünen und FDP privat engagiert sind, setzt sich für mehr Volksentscheide ein, „eine gute Ergänzung zur repräsentativen Demokratie“, findet Lederer. Das mit der Demokratie-Nachhilfe für seine Partei findet der 31-jährige Jurist dennoch nicht ganz abwegig: „Da gibt es Nachholbedarf – wie in jeder anderen Partei auch.“ lvt

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Politiker-Interviews im Fernsehen erfüllen viele Zwecke, manchmal dienen sie sogar der Familienzusammenführung. Das erlebte die Grünen-Abgeordnete Barbara Oesterheld kürzlich. Als die Baupolitikerin vom Auslandssender Deutsche Welle interviewt wurde, verfolgte ein Exil-Deutscher namens Ralph Oesterheld im indonesischen Jakarta die Ausstrahlung mit besonders großem Interesse. Name und Gesicht der Politikerin kamen ihm vertraut vor, also schickte er ihr eine Mail. Es stellte sich heraus, dass die beiden Cousin und Cousine sind, ihre Väter sind Brüder. Persönlich kennen gelernt hatten sie sich jedoch nie. Barbara Oesterhelds Eltern hatten sich früh scheiden lassen, es gab kaum Kontakt zur Familie des Vaters. Jetzt tauschen Cousin und Cousine fleißig Familiengeschichten per E-Mail aus, und vielleicht will Barbara Oesterheld demnächst mal nach Jakarta fliegen, den Cousin besuchen, der dort Altpapier aus Deutschland in asiatische Länder verkauft. lvt

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