Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Damals war’s, in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre, als ein Bundesbauminister namens Klaus Töpfer mit einem Kollegen aus der Riege der Landesminister im „Borchardt“ saß. Töpfer war etwas bedrückt und erzählte, dass „der Dicke“ ihn aus dem Kabinett mobben wolle. Über die nächste Wahl hinaus werde ihn Helmut Kohl wohl nicht in der Bundesregierung halten. Da fragte der Kollege, warum der Hauptstadt-Umzugsbeauftragte Töpfer, ein echter Freund Berlins, nicht für das Amt des Regierenden Bürgermeisters kandidieren wolle? Ach, er sei ja ins Gespräch gebracht worden, berichtete Töpfer mit traurigem Blick auf den Gendarmenmarkt. Von einem Parteifreund, Joachim Zeller oder Günther Nooke, so genau erinnert sich der Ministerkollege nicht mehr. Aber als der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky, das unangefochtene Führungsduo der Union, dies spitzgekriegt hätten, seien die Schotten sofort dicht gemacht worden. Im Wahljahr 1999 trat, wie wir heute wissen, Diepgen ein letztes Mal erfolgreich an. Zwei Jahre war er noch Regierungschef. za

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Ob das ein Zeichen ist? Wenn die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus am 20. Januar zu ihrer Jahresauftakt-Klausur nach Rostock fährt, wird der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gemeinsam mit Uwe-Karsten Heye den ersten Tagesordnungspunkt gestalten: „Die Rolle Berlins in und für Deutschland“. Heye war, wir erinnern uns, in den Siebzigerjahren Redenschreiber des SPD-Parteichefs Willy Brandt und wurde 1998 für vier Jahre Regierungssprecher des Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Über so einen Koreferenten freut sich Wowereit natürlich. Aber vielleicht wird der ehemalige Journalist Heye, der seit zweieinhalb Jahren als deutscher Generalkonsul in New York lebt, den Genossen nicht nur sagen, wie man hauptstädtischen Glanz erzeugt. Vielleicht gibt er Wowereit noch ein paar Tipps, wie man auf dem Teppich bleibt, denn zurzeit kann der Regierende vor Kraft kaum laufen. Ein Buch, das Heye geschrieben hat, heißt: „Vom Glück nur ein Schatten.“ za

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