Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Für eine Woche hat der SPD-Politiker Jürgen Radebold seinen Arbeitsplatz aus dem Abgeordnetenhaus nach Südtirol verlegt. Eigentlich hat der 66-Jährige ja Urlaub, wie derzeit viele seiner Parlamentskollegen. Aber so ganz abschalten kann Radebold inmitten der zackigen Dolomitengipfel doch nicht. Denn er ist stadtentwicklungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Als solcher führt er diese Tage viele Telefonate wegen der in die Krise geratenen Wohnungsbaugesellschaft WBM (siehe rechts). So erreichte man Radebold gestern per Handy im Lift, der ihn, seine Frau und ein knappes Dutzend Freunde auf die bekannte Sella-Ronda brachte, die 40 Kilometer lange Umrundung des über 3000 Meter hohen Sellastocks. Radebold schwärmte kurz von Sonne, Schnee und traumhaften Ausblicken – und beantwortete dann routiniert Fragen zum aktuellen Stand der Politik daheim im grauen Berlin.

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Dass Bundespolizisten vielseitig einsetzbar sind, wusste Petra Pau schon. Wie umfangreich das offizielle Berufsbild der einstigen Grenzschützer wirklich ist, hat die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei/PDS aus Marzahn allerdings erst jetzt erfahren, in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage. Da ging es um einen Einsatz am Rande der Castor-Transporte im Wendland. Polizisten waren beobachtet worden, wie sie systematisch Zigarettenkippen entlang der Strecke auflasen. Pau wollte wissen, ob dies vielleicht dem Zwecke dient, DNA-Analysen von Demonstranten zu erstellen. Die Antwort: Das Aufsammeln diene der Beseitigung von Unrat, der zum Teil von den Polizisten selbst stammte. Das sei im Interesse von Sauberkeit und Umweltschutz geschehen und gehöre zum Berufsbild der Beamten. Hinterher wurden die Kippen nicht etwa auf DNA-Spuren untersucht, sondern einfach weggeworfen. lvt

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