Berlin : HINTER DEN KULISSEN

-

Auf einer Bildungsreise wird nicht nur über die Vor- und Nachteile öffentlich finanzierter oder privat geförderter Universitäten diskutiert, es werden auch private Worte gewechselt – und dabei ungeahnte Gemeinsamkeiten entdeckt: Als sich der Wissenschaftsausschuss in der vergangenen Woche in Kalifornien über das Hochschulsystem am Beispiel von Berkeley und Stanford informierte, raunte der PDS-Abgeordnete Carl Wechselberg seiner Grünen-Kollegin Lisa Paus zu, er müsse unbedingt noch DVDs der amerikanischen TV-Serie „Gilmore Girls“ kaufen. Da war Serienfan Paus baff: Nie hätte sie dem Haushaltsexperten Wechselberg eine Leidenschaft für ein Kleinstadtdrama voller Liebe, Arbeit und Tränen der Lorelai Gilmore und ihrer Tochter Rory zugetraut. Wechselberg antwortete, er schaue sich die Serie ja erstens nur mit seiner Freundin und zweitens nur in der Originalversion an, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Das sei Wissenschaftssenator Thomas Flierl übrigens auch angeraten. Auf besagter Reise fragte der PDS-Politiker nach dem Umgang mit Quersubventionen auf englisch: „What’s about queer subventions?“ Diese Frage nach „schwulen Subventionen“ quittierten die Amerikaner mit höflichem Unverständnis. sib

* * *

Die Gustav-Heinemann-Oberschule in Tempelhof sei eine der besten Schulen Berlins, hatte die frühere Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien der Bildungseinrichtung 1977 bescheinigt. Karl Pentzliehn, der damals schon Schulleiter war, legt bis heute Wert auf ein profiliertes Angebot – und auf Tradition. Die „Schulklassengespräche“ mit prominenten Politikern und Künstlern sind legendär. Sir Peter Ustinov war einst zu Gast, aber auch Johannes Rau und Willy Brandt. Der Berliner SPD-Landeschef Michael Müller kann sich also was darauf einbilden, dass er nun auch zum Klassengespräch eingeladen wurde, um mit den Schülern über die Welt-, Bundes- und Landespolitik zu reden. Müller, ein eingeborener Tempelhofer, war selbst ein Gustav-Heinemann- Schüler und erinnerte sich jetzt wieder mit Vergnügen daran, dass er sich vor 25 Jahren als 15-jähriger Bengel in die Diskussionsrunde mit dem SPD-Parteichef und Friedensnobelpreisträger Brandt gemogelt hatte, obwohl nur Schüler der 12. Klasse teilnehmen durften. Ein offenbar prägendes Ereignis. za

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben