Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Wer Arbeitsmarktpolitikern öfter zuhört, hält Arbeitsmarktpolitik bald für eine Glaubenssache. Für den FDP-Abgeordneten Rainer-Michael Lehmann hat sie weniger mit Glauben als mit Glaubwürdigkeit zu tun. Dieser Tage wirbt er für private Arbeitsvermittlung. Auch die beiden Jobpoints, die es in Berlin gibt, haben laut Lehmann den Jobcentern der Arbeitsagentur einiges voraus. Er weiß, wovon er spricht. Erstens war er mal arbeitslos – und machte sich selbstständig. Zweitens hat er sich zwei Tage lang unter ALG- II-Empfängern in Jobcentern umgetan. Aber nicht mit dem FDP-üblichen eleganten Anzug, sondern in Jeans, Basecap und versteckt hinter einem Dreitagebart. Lehmann ist nicht der Typ, der gleich pathetisch von neuen Erkenntnissen spricht, wenn er es mit der fiesen Wirklichkeit zu tun hat. Ein Wort reicht ihm, um die Besuche in den Jobcentern von Neukölln, Wedding, Kreuzberg-Friedrichshain und Pankow zusammenzufassen: „deprimierend“. wvb.

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Mit 28 Jahren ist die Grünen-Abgeordnete Ramona Pop die jüngste Parlamentarierin im Abgeordnetenhaus. In dieser Woche war sie Gast in der NBC-Fernsehsendung „Giga“, wo sie über „Gewalt in der Familie – was darf der Staat?“ befragt wurde. „Giga“ ist ein Fernsehformat, bei dem Zuschauer übers Internet ihre Meinung beziehungsweise Fragen äußern können. Als Haushalts- und Jugendpolitikerin Pop Fraktionskollegen über ihren Auftritt in der Sendung erzählte, ist sie von einigen ein wenig missverstanden worden. „Ach, du warst bei Kika“, sagten etliche ihrer 13 Fraktionskollegen. Diese Reaktion erfreute Pop nicht besonders. „Nur weil ich Kinder- und Jugendpolitik mache, muss ich doch nicht automatisch in den Kinderkanal Kika eingeladen werden“, sagt Pop. Die Grünen-Politikerin mutmaßt dahinter auch noch etwas anderes: Das Durchschnittsalter der Grünen-Fraktion liegt bei rund 47 Jahren. Viele der Älteren hätten keine Ahnung, was es für Jugendsender gibt. Die seien „nicht so auf der Höhe der Zeit“, sagt Pop. Zeichnet sich da ein Generationenkonflikt ab? Junge Grüne in der Partei drängen zurzeit nach vorn: Sie wollen auf der Liste zur Abgeordnetenhauswahl aussichtsreiche vordere Plätze. Gewählt wird Anfang April. sib

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