Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Wenn es um das Hobby von Stefan Liebich geht, dem Fraktionschef der Linkspartei/PDS, dann versteht seine Freundin keinen Spaß: Liebich spielt gerne Playstation, und als er sich vor zwei Jahren so ein Computerspielgerät anschaffte, war die Freundin entsetzt. Michael Müller hingegen, Fraktions- und Parteichef der SPD, kennt Playstations nur aus zweiter Hand: Daheim spielt sein Sohn damit. Diese und andere private Bekenntnisse lieferten Liebich und Müller diese Woche beim Auftakt einer semi-privaten Talkshowreihe, die Liebich in seinem Wahlkreis Pankow etablieren will. So erfuhr man in der Weißenseer Brotfabrik, dass Müller gerne im Schlaf Klavier lernen würde und dass Liebich einst Matrose und dann Lehrer werden wollte. Müllers erster Berufswunsch hingegen war Cowboy – und manchmal wäre er das heute gerne noch, sagte der SPD-Chef.

Besonders weit auseinander lagen beide bei ihrer Lieblingsmusik, die in den Talkpausen gespielt wurde. Während der 33-jährige Liebich mit Placebo und den Black Eyed Peas Gespür für aktuelle Trends andeutete, wählte Müller (41) Sinatra und Jacques Brel. Ähnlich weit auseinander lagen sie beim Wunschpartner für ein Abendessen: Müller wählte den Physiker und Philosophen Karl- Friedrich von Weizsäcker, Liebich säße lieber mit Eisläuferin Katarina Witt zusammen.

Noch mehr als für Witt schwärmte der PDS-Fraktionschef lange für Sophie Marceau („La Boum“). Als Liebich fünf Tage nach Mauerfall das erste Mal in West-Berlin war, kaufte er sich von einem Teil seines Begrüßungsgeldes eine Zeitschrift mit einem Marceau-Poster. Müller bevorzugt den Kino-Klassiker „Citizen Kane“.

Trotz unterschiedlicher Geschmäcker und Sozialisation in Ost und West verbindet die beiden eine große gegenseitige Sympathie, wie sie mehrfach sagten. Und sie eint die seit Jugendjahren verspürte Lust, politisch Einfluss nehmen zu können.

Nur wenig erfuhr man an dem Abend über Nicolas Zimmer, CDU-Kollege von Liebich und Müller. Der hatte auch etwas von sich erzählen wollen, war aber kurzfristig wieder abgesprungen. So blieb nur die Musik, die Zimmer am liebsten hört: Dépêche Mode und Deutschpop von „Juli“. Beim nächsten Talk-Abend im August will Liebichs Parteifreund Harald Wolf Einblicke in sein Privatleben geben. lvt

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