Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Politik wird in den nächsten Wochen sogar im Abgeordnetenhaus auf Sparflamme gehalten – mit dem Fußballfieber völlig infiziert sind die Grünen. Die Fraktion spielt, in Anlehnung an die besten Zeiten der Alternativen Liste, „Igel-Toto“. Als größter Grünen-Fußballfan hat sich Alice Ströver geoutet: Die Kulturpolitikerin schwört, dass die Niederlande Weltmeister werden. Fraktionschef Volker Ratzmann setzt auf Deutschland, das Gros der Fraktion aber tippt auf Brasilien. Der Toto-Einsatz pro Person beträgt zehn Euro, davon werden 40 Prozent für einen guten Zweck gespendet.

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Auch die FDP spielt begeistert Fußball-Toto. Fraktionschef Martin Lindner beharrt auf seinem Tipp fürs Finale – Deutschland gegen Brasilien, 2:1. Die Abgeordneten Mieke Senftleben und Holger Krestel freuen sich schon auf Live-Spiele: Sie haben privat Karten ersteigert. Die Liberalen sehen in der Fußballleidenschaft ein überparteiliches Phänomen und wollen auf einer Großleinwand einige Spiele gemeinsam mit Abgeordneten anderer Fraktionen im Preußischen Landtag anschauen.

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Weniger spielerischen Gemeinschaftssinn hat die SPD. Immerhin grübelt Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler , wie er sich bei welcher Spielkonstellation kleiden soll. Auch Frank Zimmermann ist im Fußballfieber: Wahrscheinlich hat der SPD-Politiker den Bericht des Banken-Untersuchungsausschusses unter seinem Vorsitz deshalb vor einer Woche veröffentlicht, um am Freitag in Ruhe das Eröffnungsspiel anzuschauen.

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Fußballfans gibt es auch bei der Union. Aber wer wird das Tipp-Spiel gewinnen? CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer und der Geschäftsführer Uwe Goetze setzen auf Brasilien als Weltmeister. Der andere parlamentarische Geschäftsführer Frank Henkel glaubt an Deutschland als Finalsieger. Ein gemeinsames Fußball-Fernseherlebnis plant die CDU-Fraktion nicht: Vielleicht wird sie von der FDP zum TV-Abend eingeladen.

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Vielleicht passt Fußballbegeisterung schlecht in die sozialistische Theorie und Praxis. Die Linkspartei versucht jedenfalls nicht, emanzipatorische Elemente dieses Teamspiels in linke Gruppendynamik umzusetzen. Da kann einem der parlamentarische Geschäftsführer Uwe Doering leid tun: Er muss seine Fußball-Liebe mit Kollegen aus anderen Fraktionen teilen. Sollten alle Stricke reißen: Doering, der im Aufsichtsrat von FC Union sitzt, hat sich einen transportablen Fernseher gekauft, um bei den Sitzungen der PDS-Fraktion den Blick aufs Wesentliche nicht zu verlieren. Sabine Beikler

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