Berlin : HINTER DEN KULISSEN

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Selbst an ihren Geburtstagen sind Politiker nicht vor Kritik gefeit – auch wenn der Tag nett beginnt. Am Donnerstagmorgen um 9 Uhr überreichte Heidemarie Fischer, Vorsitzende des Verfassungsschutzausschusses, ihrem SPD–Parteifreund, dem Innensenator Ehrhart Körting , einen schönen orangefarbenen Sommerblumenstrauß. Das „Geburtstagskind“, wie sie sagte, wurde an dem Tag 64 Jahre alt. Körting bedankte sich artig. Und die Sitzung begann. Die Parlamentarier wollten von Körting wissen, ob das Berliner Sozialforum vom Verfassungsschutz direkt beobachtet wurde – oder ob es ausschließlich autonome Anhänger waren, die in dem Aktionsbündnis mitgemacht haben. Eine konkrete Beobachtung des Sozialforums habe es nicht gegeben, sagte Körting. Die Akten, die er gelesen habe, seien „weitgehend langweilig“ gewesen. Und das, was nicht über die Autonomen relevant sei, werde „einfach beseitigt“. Das Herunterspielen der Affäre verärgerte Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann. „Veräppeln können Sie sich allein, auch wenn Sie heute Geburtstag haben“, sagte er. Am Ende der Sitzung bekam Körting von Ratzmann doch noch ein kleines Geschenk: einen Marsriegel, frei nach dem Werbeslogan: Mars bringt verbrauchte Energie zurück. sib

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Michael Braun , stellvertretender CDU- Fraktionsvorsitzender, ist bekennender Beckenbauer-Fan. Als Junge, sagt er, habe er einen Starschnitt des Kaisers aus der Fußballzeitschrift „Kicker“ im Zimmer hängen gehabt. Klar, dass er dabei war, als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit Beckenbauer eine Audienz gewährte – oder der ihm. Braun jedenfalls ließ sich zwei Fußbälle signieren, von Beckenbauer, nicht von Wowereit. Dabei bemerkte er sehnsüchtige Blicke der grünen Spitzenkandidatin Franziska Eichstädt-Bohlig auf die Bälle. Der schrieb er nun, er habe ihr eigentlich einen Ball schenken wollen, mache sich aber Sorgen um die Fitness der Konkurrenz: Nicht, dass die Grünen „wieder zum Ende der Spielzeit (zum 17. September) schwächeln“. Sie hätten deshalb Gelegenheit, den Ball in einem Spiel gegen eine CDU-Auswahl zu gewinnen – eine schwarze Avance, meinen Beobachter. Eichstädt-Bohlig kickte brieflich zurück: Feine Idee, aber erst würden die Grünen gegen die grüne Jugend spielen, die sei „top-fit“. Und „über die Kondition der Grünen sollten Sie nicht so viel grübeln“. Sie kenne eine Partei, deren Schwächeln Braun mehr Sorgen machen müsste. wvb.

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